Kurz strachischer Sündenfall

Seit September 2018 ist es erlaubt, bis zu 12 Stunden am Tag und 60 Stunden pro Woche zu arbeiten. Ein Argument dafür war, dass mit der alten Arbeitszeit-Rechtslage aufgrund von „unvermeidbaren“ Betriebserfordernissen manch Unternehmer*in gezwungen sei, sich in einen illegalen Graubereich der Gesetzesübertretung zu begeben. Schon damals bezweifelte ich, dass aus den vielen „Saulussen“ zahlreiche „Paulusse“ werden. Eine Vorarlberger Arbeitsinspektoriats-Schwerpunkt-Kampagne zeigt, dass zumindest im Gastgewerbe meine Befürchtungen die Realität von heute sind.

57 Hotels und Gastgewerbebetriebe wurden kontrolliert. 40 Prozent (!!) der kontrollierten Betriebe hielten sich nicht an das neue Arbeitszeitgesetz, in sechs Betrieben musste das Personal ohne einen Ruhetag pro Woche durcharbeiten. Und drei Montafoner Hoteliers war selbst dies zu wenig. Sie verdonnerten ihre Beschäftigten zu wöchentlich mehr als 90 Arbeitsstunden. 

Zur leichtern Vorstellung, was dies bedeutet: Bei einer Fünf-Tage-Woche ist das ein 18-Stunden-Arbeitstag, bei einer Sechs-Tage-Woche ein 15-Stunden-Arbeitstag und bei einer Sieben-Tage-Woche bleiben immer noch über 13 Stunden täglicher Arbeitszeit.

Die „armen Hoteliers“, sie reden sich auf die böse Personalnot heraus. Nur, wenn das zeitliche Ausmaß einer Beschäftigung, nur mehr „Freizeit“ für die Nachtruhe gewährleistet, wen wundert es da, dass auf solch Sklavenverhältnisse NEIN DANKEND verzichtet wird! 

Schön, dass sich die örtliche vida-Gewerkschaftsführung vom Ausmaß der Arbeitszeitgesetz-Verstöße schockiert zeigt. Schön, dass sie eine Überarbeitung des Arbeitszeitgesetzes, härtere Strafe bei Verstößen und deutlich bessere Arbeitsbedingungen fordert. Aber was ist bis dahin? Das Problem motzend aussitzen oder erst einmal überprüfen ob die illegal verlangte Arbeitszeit wenigstens rechtskonform bezahlt wurde (Ich bezweifle das!). 

Aber auch Protestaktionen und die Veröffentlichung der betroffenen Hotel- und Hoteliersnamen sind gefordert. Ich möchte nicht in die Verlegenheit kommen in einem dieser Versklavungbetriebe nächtigen zu müssen. Vielen wird´s genauso gehen.

Josef Stingl

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