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Freitag, 18. Mai 2012, 04:40 Uhr

Wahlfreiheit herstellen als überfälligen Schritt um Versäumnisse aufzuholen

NGOs und VereineNL 2011-10: weniger Sonderschulen = mehr Wahlfreiheit
Wer über die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung spricht wird fast regelmäßig mit dem schönen Wort „Wahlfreiheit“ konfrontiert. Unerwähnt bleibt dabei aber die Tatsache, dass diese „Wahlfreiheit“ in Tirol nie ermöglicht wurde. Die Hauptversäumnisse liegen immer noch bei 1.) der nichtvorhandenen baulichen Barrierefreiheit, 2.) bei der schlechten LehrerInnenausbildung und 3.) der nie stattgefundenen gerechteren Ressourcenaufteilung. Und unerwähnt bleibt dabei leider auch, dass auch die scheinbar freiwillige Wahl der Sonderschule zu einem oftmals belegten Nachteil der betroffenen Kindern führt...

In den 18 Jahren (!) mit gesetzlich zugesichertem Recht auf schulische Integration wurden kaum Schulen barrierefrei umgebaut. Lehrpersonen wissen nach ihrer Ausbildung noch immer nicht, dass sie zwangsläufig mit unterschiedlichsten Kindern zu tun haben werden/sollten. Sie sind häufig schlichtweg überfordert, haben Angst und fühlen sich „unzuständig“. Die Sonderschuldichte in Tirol ist weltweit rekordverdächtig und diese Schulen wollen auf „befüllt“ werden. Nur so ist zu erklären, dass in Tirol zwar gerne mal von Integration geredet wird, aber die Zahlen nach wie vor sehr erschreckend sind. Hier werden Kinder mit Behinderung wissentlich massiv benachteiligt, langhaltig geschädigt und diskriminiert.

Zur Erinnerung: Alleine in Innsbruck werden halb so viele Kinder „sonderbeschult“ (244 von insgesamt 5981 Pflichtschulkindern) wie in der gesamten Steiermark (565), wo es 158.115 Pflichtschulkinder gibt. Die mangelhaften Erfolge der Sonderbeschulung werden seit Jahren ignoriert und die Sonderbeschulung als Teil der „Wahlfreiheit“ dargestellt.

Tirol wir wohl die größten Probleme haben, die Wünsche und Rechte von Menschen mit Behinderung nicht nur anzuerkennen, sondern auch umzusetzen. Da wartet ganz viel Arbeit auf vielen Ebenen. Auch wenn der Vorschlag seit der Unterzeichnung der UN-Konvention nicht mehr zeitgemäß ist, möchten wir ihn doch wiederholen: Wenn der Tiroler Bildungspolitik die UN-Konvention auch egal ist, aber die immer wieder erwähnte „Wahlfreiheit“ wichtig, dann könnte die Tiroler Landesregierung noch im heurigen Jahr von den derzeit bestehenden 33 Sonderschulen (!) 20 Schulen schließen. So bliebe in jedem politischen Bezirk eine ASO (allgemeine Sonderschule) zur freien Wahl bestehen und die 4 Landessonderschulen blieben auch unangetastet (Blindenschule, Sprachheilzentrum,…).

Durch die Auflösung von 20 allgemeinen Sonderschulen würden Ressourcen (Geld, Lehrkräfte, Materialien,…) für inklusiven Unterricht frei werden, was die gepriesene Wahlfreiheit endlich ermöglichen würde. Aber will man das wirklich?

Auch würde sich der Anteil an Kindern, die in ihrer Heimatgemeinde integriert bleiben können stark erhöhen und es gäbe ein klares Signal an alle Lehrpersonen, dass Schule wirklich eine klare und wohlwollende Dienstleistung für ALLE Kinder sein muss und ihre Verantwortung auch wahrnimmt. Wir sind fest davon überzeugt, dass dann auch die LehrerInnenausbildung ganz schnell an Qualität zulegt und sich den Herausforderungen stellt. Solange keine klaren politischen Signale an die Schulverwaltung und SChulleiter gesendet werden, solange wird sich wohl auch nichts ändern...

"Es ist Unsinn anzunehmen, die Ägypter hätten für Astronomie größeres Talent gehabt als andere Völker. Es war ein bestimmter äußerer Zwang, mit dem die Ägypter "begabt" waren. Der Nil tritt in seinem unteren Lauf in regelmäßigen Zeitabständen über seine Ufer. Er bedeckt das Land mit fruchtbarem Schlamm. Wenn zur falschen Zeit gesät worden ist, zerstört der Schlamm die Ernte, statt den Boden für den Getreideanbau fruchtbar zu machen. Es kam darauf an festzustellen, wie oft und wann der Nil über seine Ufer tritt. Dazu brauchte man eine Technik, den Ablauf der Zeit zu messen. Einen Kalender kann man nur nach den Bewegungen von Gestirnen aufstellen. Die intensive Beschäftigung der Ägypter mit der Astronomie ergab sich aus den Bedürfnissen der Landwirtschaft. Sie schauten in die Sterne, um nicht zu hungern." E.A. Rauter

Quelle: http://www.integration-tirol.at

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