Kapital und Vermögen werden nicht zur Kasse gebeten
Mittwoch, 26. März 2008, 15:31 Uhr
Beitrag von: O-PT-S
KPÖ-Bundessprecherin Melina Klaus zum Koalitionspaket
Als viel Lärm um (fast) nichts bezeichnet KPÖ-Bundessprecherin Melina Klaus
das als großartigen Erfolg verkaufte Kompromisspaket der Regierungsparteien:
"Ein Berg kreißte, ein Mäuslein ward geboren. Einmal mehr demonstrieren SPÖ
und ÖVP mit diesem Koalitionspaket, dass der Hintergrund ihres Streits
eigentlich ihre inhaltliche Nähe und nicht angeblich unüberbrückbare
Differenzen sind", so Klaus. Die KPÖ vermisst wirksame Maßnahmen für eine
grundlegende Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums um im Sinne des
Mottos "Es ist genug für alle da" der wachsenden Schere zwischen Armut und
Reichtum entgegenzuwirken.
Die nun verkündeten Maßnahmen bringen nur marginale Entlastungen: Die
Streichung der Arbeitslosenversicherung bis 1.100 Euro Monatsverdienst bzw.
Senkung bis 1.350 Euro bedeutet zwar eine Entlastung der betroffenen
Unselbständigen, aber durch die anteilige Finanzierung wohl auch der
Unternehmerseite durch Senkung der Lohnnebenkosten und damit Aushöhlung der
Finanzbasis der Arbeitslosenversicherung, anstatt diese auf eine längst
fällige Wertschöpfungsabgabe zur Finanzierung des Sozialsystems umzustellen.
Ob die Vorziehung einer dreiprozentigen Pensionserhöhung auf November 2008
ausreicht um den besonders für BezieherInnen kleiner Pensionen spürbaren
Teuerungsschub auszugleichen bleibt offen. Dauerhaft spürbare Maßnahmen wie
eine amtliche Preisregelung für Strom, Heizöl, Treibstoffe und
Grundnahrungsmittel, eine Streichung der Mehrwertsteuer auf Mieten,
Betriebskosten und Medikamente, eine Energiegrundsicherung wie sie von der
KPÖ vorgeschlagen wird oder einen Stopp der kommunalen Tariferhöhung durch
Außerkraftsetzung der Maastricht-Kriterien und des Euro-Stabilitätspaktes
finden nicht statt. Dazu kommt, dass die Familienbeihilfe seit 2000 nicht
mehr angehoben wurde und das Pflegegeld bisher nur dreimal marginal erhöht
wurde und heute ein gutes Viertel weniger wert ist als bei seiner Einführung
im Jahre 1993.
Gerade für die große Gruppe der Durchschnittseinkommen bringt das
Koalitionspaket keine Erleichterungen: Eine steuerliche Entlastung der
Einkommen bis etwa 30.000 Euro im Jahr, bei denen die "kalte Progression"
vielfach die bescheidenen Lohnerhöhungen wegfrißt, wird es bestenfalls 2010
geben. Mit vielen Fragenzeichen versehen ist auch die von der SPÖ als Erfolg
gefeierte Vermögenszuwachsbesteuerung, wurde diese doch mit Vorbehalt
seitens der ÖVP durch vorher notwendige Effizienzsteigerungen im
Gesundheitswesen vereinbart: "Eine echte Vermögenssteuer wie sie die KPÖ
fordert ist das jedenfalls nicht", kritisiert Klaus. Sie verweist auf die
Zahl von bereits 72.600 MillionärInnen sowie auf die in 3.200
Privatstiftungen steuerschonend gelagerten mindestens 60 Milliarden Euro und
die Tatsache, dass nur ein Prozent der Bevölkerung ein Drittel und weitere
neun Prozent das zweite Drittel des gesamten Vermögens besitzen.
Charakteristisch für die neoliberale Politik der rotschwarzen Koalition ist
hingegen, dass das große Kapital und die großen Vermögen nicht zur Kasse
gebeten werden, etwa durch eine Anhebung der Körperschaftssteuer auf die
Gewinne der Kapitalgesellschaften oder des Spitzensteuersatzes auf
Jahreseinkommen ab 70.000 Euro, wie das die KPÖ fordert.
Nach gehörigem öffentlich zelebrierten Dampfablassen der
SPÖ-LänderfürstInnen als Ausdruck eines wachsenden Unmuts an der Basis
erfolgte faktisch die Rückkehr zum Koalitionsabkommen, die ÖVP hat sich mit
ihrem Beharren auf eine Steuerreform erst für 2010 durchgesetzt. Der
faktische Hintergrund für die Unruhe in der Koalition ist freilich das
Koalitionsabkommen, bei dem die SPÖ alle ihre wesentlichen Wahlversprechen
wie die Abschaffung der Studiengebühren oder Stornierung der Eurofighter
geopfert und zugunsten des Kanzlerpostens auch alle wichtigen
Schlüsselministerien der ÖVP überlassen hat.
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