EU-Vertrag: SPÖ-Haider als politischer Geisterfahrer?
Dienstag, 25. März 2008, 16:22 Uhr
Beitrag von: O-PT-S
Warum werden oö SPÖ-Abgeordnete nicht für Volksabstimmung aktiv?
Als halbherzig bezeichnet die KPÖ-Oberösterreich die kritischen Aussagen von
SPÖ-Landeschef Erich Haider zum EU-Vertrag, wenn dem keine entsprechenden
Taten folgen. Haider hatte sich jetzt neuerlich via Medien für eine
Volksabstimmung über diesen im April zur Ratifizierung im Nationalrat
anstehenden Vertrag geäußert und von zahlreichen Rückmeldungen aus den
Gemeinden gesprochen.
Wenn es Haider ernst mit seiner Haltung ist, dann müssen die zwölf oö
SPÖ-Nationalratsabgeordneten bzw. die fünf oö SPÖ-BundesrätInnen für eine
Volksabstimmung über den Vertrag aktiv werden. Ebenso hätte Haider schon
längst in den Bundesgremien der SPÖ für ein solches Referendum tätig werden
können um den EU-weiten Konsens der Regierungen den Vertrag ohne Referendum
zu ratifizieren zu durchbrechen: "Haider ist ein klassischer politischer
Geisterfahrer, der links in die EU-kritische Gasse blinkt, dann aber rechts
in die Gusenbauer-Straße abbiegt", meint KPÖ-Landessprecher Leo Furtlehner.
Es ist anzuerkennen, dass die SPÖ bereits im Herbst 2007 im
oberösterreichischen Landtag eine Resolution für eine Volksabstimmung
eingebracht hatte, die aber von der schwarzgrünen Mehrheit niedergestimmt
wurde. Dieser Vorstoß schafft auch eine Basis für Beschlüsse von
Gemeinderäten und eine breitere Debatte über den Vertrag in den Gemeinden.
Seit Herbst 2007 haben in Oberösterreich bereits die Gemeinderäte von
Neumarkt im Mühlkreis (mit Zustimmung der meisten ÖVP-MandatarInnen),
Leonding, Andorf und Feldkirchen an der Donau und Freistadt (einstimmig)
beschlossen, in denen sie Regierung und Nationalrat auffordern, eine
Volksabstimmung über den EU-Reformvertrag durchzuführen. Keine Mehrheit fand
ein solcher Antrag im Gemeinderat von Ottensheim, in Graz wurde ein
diesbezüglicher Antrag der KPÖ im Herbst 2007 hingegen von ÖVP und SPÖ
einmütig abgelehnt.
Im steirischen Landtag hatten die KPÖ und die Grünen diesbezügliche Anträge
eingebracht, die jedoch dort von der rotschwarzen Mehrheit ebenso
niedergestimmt wurden wie ein Antrag der KPÖ im Grazer Gemeinderat. Der
Gewerkschaftliche Linksblock hatte ähnliche Anträge bei den
Arbeiterkammervollversammlungen eingebracht, welche in der Steiermark
abgelehnt, in Wien hingegen zur weiteren Behandlung zugewiesen wurden.
Ebenso wurde in Oberösterreich ein AK-Antrag zugewiesen.
Die strikte Ablehnung einer Volksabstimmung durch SPÖ, ÖVP und Grüne auf
Bundesebene entspricht einem steinzeitlichen Demokratieverständnis und
fördert den steigenden Frust über die EU und die Politik im Allgemeinen
weiter. Unabhängig ob jemand für oder gegen den EU-Vertrag ist, müsste es
eine demokratiepolitische Selbstverständlichkeit sein, angesichts der
weitreichenden Bedeutung des Vertrages und der damit verbundenen verstärkten
Eingriffe in die Verfassung der einzelnen EU-Mitgliedsländer durch ein
Referendum zu legitimieren.
Die KPÖ bekräftigt ihr linkes Nein zum Vertrag, der mit geringfügigen
Abstrichen der 2005 an den Volksabstimmungen in Frankreich und den
Niederlanden gescheiterten Verfassung entspricht. Die Kernpunkte der Kritik
sind dabei die Verankerung der Militarisierung der EU, des Neoliberalismus
und der Hierarchisierung zugunsten der großen EU-Staaten sowie ein
anhaltendes Demokratiedefizit. Die Europäische Linke, ein Zusammenschluss
von 19 Mitglieds- und zwölf Beobachterparteien aus 23 Ländern welchem auch
die KPÖ angehört, tritt für Volksabstimmungen über den Vertrag in allen
EU-Ländern ein.
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