Schwierige Situation für Tirols Lehrlinge

Montag, 18. Februar 2008, 13:53 Uhr

Beitrag von: O-PT-S

"Immer mehr junge Menschen in Tirol leben in oder am Rande der Schuldenfalle. Die niedrigen Lehrlingsentschädigungen und die derzeitige Hochpreissituation setzen die rund 14.000 Tiroler Lehrlinge immer mehr unter Druck. Rund 20 Prozent der Lehrlinge geben an, dass sie mit ihrem einkommen nicht mehr auskommen, 50 Prozent geben an dass sie gerade noch auskommen. Weit mehr als die Hälfte der Lehrlinge geben an, dass sie von den Eltern und Großeltern finanzielle Unterstützung erhalten", berichten der Tiroler ÖGB-Vorsitzende Franz Reiter und ÖGB-Landesjugendsekretär Philip Wohlgemuth. (Daten Arbeitsklima-Index der AK- Oberösterreich, Februar 2008).

Der ÖGB Tirol und die Tiroler Gewerkschaftsjugend fordern daher eine Erhöhung der Lehrlingsentschädigungen. "Jugendliche und Lehrlinge können sich in Tirol das alltägliche Leben leider nicht mehr leisten. Ein Friseurlehrling verdient z.B. 306 Euro Brutto. Davon muss er sich im schlechtesten Fall die Internatskosten für die Berufsschule bezahlen. Ein Führerschein kostet rund 1000 Euro ohne Fahrsicherheitstraining. Eine ermäßigte Eintrittskarte zu einem Fußballspiel kostet 11 bis 15 Euro, eine Kinokarte zwischen 6,60 und 8,50 Euro", so Philip Wohlgemuth.

Schwierig stellt sich auch die Situation am Tiroler Lehrstellenmarkt dar. "Ein Jugendlicher, der außerhalb des Tourismus eine Lehrstelle sucht, findet kaum einen guten Ausbildungsplatz. Außerhalb des Tourismus kommen auf jede freie Lehrstelle zwei Lehrstellensuchende. Besonders in Innsbruck und Innsbruck Land sieht die Situation für Lehrstellensuchende besonders trist aus", so Franz Reiter.

Rund 20 Prozent der 5659 Lehrlinge, die 2007 zur Lehrabschlussprüfung angetreten sind, haben die Prüfung nicht bestanden. "Zahlreiche Lehrlinge fühlen sich bei der Lehrabschlussprüfung auf Grund der umfangreichen Prüfungsstoffe sowie der unbekannten Umgebung überfordert und unwohl. Freiwillige Zwischenprüfungen könnten zumindest den Umfang des Prüfungsstoffes bei der Lehrabschlussprüfung reduzieren und die Zahl der nicht bestandenen Lehrabschlussprüfungen senken", so Franz Reiter und Philip Wohlgemuth.

Auch eine Verlagerung der Lehrabschlussprüfung in die Berufsschule könne die Prüfungsangst der Lehrlinge vermindern. "Dies bringt den Vorteil, dass die Lehrlinge mit der Umgebung, den Maschinen, Küchengeräten, EDV-Programmen usw. vertraut sind und so gelassener zur Lehrabschlussprüfung antreten können", so Franz Reiter und Philip Wohlgemuth abschließend.

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