Pogromgedenken in Innsbruck

Montag, 12. November 2007, 13:30 Uhr

Beitrag von: O-PT-S

EU-Abgeordneter Herbert Bösch hielt die Gedenkrede


Engagierte Innsbrucker AntifaschistInnen trafen sich vergangenen Freitag im jüdischen Friedhof zu einem Gedenken an die Pogromnacht vor 69 Jahren. Das Pogrom in Innsbruck war damals sogar für nationalsozialistische Verhältnisse besonders blutig und gewalttätig. Fast hundert Personen wurden angegriffen, davon die meisten schwer verletzt, vier Todesopfer waren zu beklagen, 18 jüdische Mitbürger kamen ins Gefängnis. Die Synagoge und viele Wohnungen fielen der Zerstörungswut der organisierten Nazi-Trupps zum Opfer. Hilfe aus der Bevölkerung gab es kaum, die katholische Kirche bezog nicht Stellung.

EU-Abgeordneter Herbert Bösch fand in seiner Gedenkrede klare Worte: "Wir müssen uns aktiv entgegenstellen, wenn unsere Geschichte verharmlost und geleugnet wird. Wenn gegen Ausländer oder Andersgläubige Stimmung gemacht wird. Wenn die Mitgliedschaft in rechtsradikalen Gruppierungen zu Bubendummheiten verharmlost wird", führte Bösch aus. Weiters rief er alle AntifaschistInnen auf, "den Anfängen zu wehren. denn wer wegschaut, riskiert, dass sich wieder jener Nährboden bilden kann, in dem rechtsradikales, antisemitisches oder ausländerfeindliches Gedankengut blühen kann."

Umrahmt wurde das Gedenken mit Klezmermusik von Hermann Riffeser und seinen Musikern und mit Rezitationen aus Protokollen und Briefen der damaligen Zeit, vorgetragen von Birgit Melcher. Ein Vertreter der Israelitischen Kultusgemeinde sprach jüdische Gebete.

Im Anschluss luden die Veranstalter ins ÖGB-Haus zu einer Lesung aus dem neuen Buch von Christoph W. Bauer "Im Alphabet der Stadt". Darin beschreib Bauer die Geschichte der jüdischen Häuser und ihrer BewohnerInnen beschreibt auf eindrucksvolle Weise.

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