Evangelische Kirche kritisiert Regierungsbeschluss - Sturm: Rechtliche Basis, kein Gnadenakt - Reiner: Frankenburg war bereits Symbol für inhumane politische Entscheidung
Wiederholt hat die Evangelische Kirche ein gesetzlich geregeltes Bleiberecht gefordert, unterstreicht der amtierende Bischof und Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, Mag. Herwig Sturm. Integrierte bräuchten eine rechtliche Basis, auf die sie sich verlassen könnten, keinen ungewissen "Gnadenakt", so der Bischof. Sturm erinnert an die Dritte Europäische Ökumenische Versammlung in Sibiu/Hermannstadt. Dort hätten sich "alle Kirchen Europas hinter die hier bedrohten Menschen gestellt, weil es sich um ein europäisches Problem handelt". In der Schlussbotschaft werden die Staaten in Europa aufgerufen, "alle Anstrengungen zu unternehmen, die Zuwanderung zu regularisieren, Migranten, Flüchtlinge und Asylsuchende einzugliedern und den Zusammenhalt der Familie zu achten".
Die lutherische Oberkirchenrätin Dr. Hannelore Reiner wird am Samstag in Frankenburg an der Kundgebung für ein Bleiberecht teilnehmen. Im Gespräch mit epd Ö verweist Reiner auf die Geschichte des Ortes: "Frankenburg ist schon einmal Symbol geworden für eine falsche, inhumane politische Entscheidung. Das darf sich nicht wiederholen", warnt das Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirchenleitung. Für evangelische Ohren habe Frankenburg noch immer "Symbolklang". "Hier wurde schon einmal ein Exempel statuiert, das dank der Würfelspielgemeinde Frankenburg in der Bevölkerung wachgehalten wird", so Reiner. Es dürfe nicht sein, "dass im 21. Jahrhundert eine Familie, die bei uns bereits integriert ist, in eine ungewisse Zukunft losgeschickt wird". Reiner: "Als evangelische ChristInnen fordern wir die sofortige Beendigung der nun laufenden Abschiebungen, die Achtung des Familienzusammenhalts und nach Befürwortung der jeweils Verantwortlichen auf Gemeinde- und Landesebene ein Bleiberecht für integrierte Asylwerber."