Besondere Förderung für besondere Klassen abgelehnt
Sonntag, 15. Juli 2007, 13:43 Uhr
Beitrag von: O-PT-S
Grüne wollten im Gemeinderat Entlastung für LehrerInnen durchsetzen
Der dringenden Antrag der Grünen, Klassen mit hohem Anteil an Kindern
nicht deutscher Muttersprache, besondere Unterstützung zu geben, erhielt
in der Gemeinderatssitzung vergangener Woche leider keine Zustimmung.
"Mir wäre das sehr dringlich erschienen, um für Herbst bereits eine
Entlastung der LehrerInnen organisieren zu können, sei es durch
zusätzliche Unterrichtsmaterialien, Personal oder Reflexions- und
Fortbildungsmöglichkeiten", erklärt Gemeinderätin Ulli Schindl-
Helldrich, "die Mehrheit sieht das leider anders. Gerne werde ich im Sommer
aber das Gesprächsangebot der Bürgermeisterin Hilde Zach annehmen, vielleicht
wird sich auf diesem Weg doch noch etwas Unterstützung mobilisieren lassen!"
Dringender Antrag
Gemeinderätin Renate Krammer-Stark
Gemeinderätin Ulli Schindl-Helldrich
Unser österreichisches Schulsystem geht ursprünglich bei der Zuteilung
von Ressourcen von "berechenbaren Parametern" aus: ab einer bestimmten
SchülerInnenzahl wird eine Klasse geteilt, je nach Schulart und
Schulstufe gibt es festgelegte Werteinheiten. Die Möglichkeit
BeratungslehrerInnen, LogopädInnen oder SchulhelferInnen in Anspruch zu
nehmen ist bereits ein Abweichen von dieser Norm. Hier gibt es nämlich
für jene LehrerInnen und SchülerInnen zusätzliche Unterstützung, die sie
individuell brauchen. In anderen europäischen Ländern ist man dazu
übergegangen, noch individueller mit den Bedürfnissen der Schulen umzugehen.
Je nach Standort, Größe, SchüllerInnenpopulation, Sozialen Problemen
usw. werden Schulen unterschiedlich mit LehrerInnenstunden bedacht, oder
auch SozialarbeiterInnen und SozialpädagogInnen an der Schule beschäftigt.
Der Bezirksschulrat hat in seiner Sitzung am Montag klargestellt - was
auch hier im Gemeinderat schon festgehalten wurde - dass es in Innsbruck
keine reinen MigrantInneklassen geben soll. Und die im Bezirksschulrat
gehörten ExpertInnen haben für eine Binnendiffernzierung und
Individualisierung plädiert. Das aber stellt die Schulen vor eine große
Aufgabe. Engagierte, pädagogische Herausforderungen, die alleine sehr
schwer zu bewältigen sind. Es kann sicher davon ausgegangen werden, dass
das Schulamt, der Bezirksschulrat mit dem Bezirksschulinspektor da
massive Unterstützung gewähren werden.
Auch die Frau Bürgermeisterin hat ja in der Sitzung des Kollegiums
betont, dass sie sich sehr einsetzen wird, dass Schulen mit einem hohen
Anteil an Kindern mit nicht deutscher Muttersprachen, im besonderen Maße
unterstützt werden.
Wir ersuchen die Frau Bürgermeisterin daher die zuständigen Stellen zu
beauftragen mit jenen Schulen, die Klassen mit mehr als 30% Kinder mit
Sprachschwierigkeiten haben, einen Maßnahmenkatalog auszuarbeiten, und
diesen dem Gemeinderat vorzulegen. Außerdem mit dem Land zu verhandeln,
zusätzliche LehrerInnenstunden für diese Standorte zu bekommen.*
Begründung:
Allen Kindern dieser Stadt annähernd gleiche Lernbedingungen zu schaffen
ist uns allen ein großes Anliegen. Gleiche Chancen zu ermöglichen
bedeutet aber an manchen Standorten Zusätzliches bereit zu stellen: an
Lehr- und Lernmaterialien, an Begleitung durch erfahrene PädagogInnen
und ExpertInnen, an zusätzliche Stunden um Teamteaching zu ermöglichen.
Ein differenzierter, individualisierter Unterricht gelingt, wenn das
Know-how vorhanden und die übrigen Rahmenbedingungen geschaffen werden.
Integration wird in dieser Gesellschaft nur gelingen wenn keine
"VerliererInnen" geschaffen werden: keine Kinder und Eltern, die sich
benachteiligt fühlen, weil zu viele Kinder mit Sprachproblemen den
Unterricht erschweren; keine Kinder mit Migrationshintergrund, die vor
allem unter sich bleiben. Und keine LehrerInnen, die sich alleine einer
weiteren gesellschaftlichen Herausforderung gegenüber sehen.
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http://imzoom.info/article.php/20070715134328366