Weniger "genial" als zu wenig weitreichend!

Donnerstag, 12. Juli 2007, 19:12 Uhr

Beitrag von: Monika

Dass das verpflichtende Kindergartenjahr für Kinder mit Sprachproblemen die "Sprachtickets" ersetzen wird und die Sprachstandsfeststellung 15 Monate statt ein Jahr vor Schulbeginn erfolgen soll, erscheint auf den ersten Blick sinnvoll. Freilich bei näherer Betrachtung ist diese Maßnahme erheblich zuwenig weitreichend.

Foto: Im Interkulturellen Kindergarten Neue Heimat Bischofshofen gibt es mehr sprachige Stützkräfte, Mittagsessen, Elternnachmittage und eine Kindergartenbilbiothek, die sichtlich begeistert.

Niemand, der einmal versucht hat, eine Fremdsprache wie Deutsch perfekt zu erlernen, ist verwundert, dass die "Sprachtickets" nicht den gewünschten Erfolg brachten: In einem "Deutschkurs" von "120 Stunden" zu je 67 Cent Bundeszuschuss (80,- Euro/Jahr) im letzten Kindergartenjahr können selbst Kinder die deutsche Sprache nicht perfekt erlernen. Dass die neue Lösung der Bundesregierung aber"genial" sei, das darf vehement bezweifelt werden.

Zwar werden jetzt einige Kinder mehr in den Genuss eines Kindergartenjahres vor dem Einschulen kommen. Aber sonst verschlimmert sich die Situation wohl wieder.

Für die Kinder, die schon bisher den Kindergarten besuchten und trotzdem nicht genug Deutsch gelernt hatten, weil man Deutsch eben nicht so einfach mit zuschauen lernt, für diese Kinder entfallen nun die 80 Euro Bundeszuschuss für die spezielle Sprachförderung im letzten Kindergartenjahr. Stellt sich die Frage, wodurch diese spezielle Sprachförderung im Kindergarten-Vorschuljahr ersetzt werden soll?

Darüber hinaus greift eine Sprachförderung erst mit fünf Jahren ohnehin viel zu kurz. Wirklich sinnvoll sind hingegen spezielle Sprachstartgruppen, die Kinder mit Migrationshintergrund etwa in Telfs bereits mit drei Jahren besuchen. Diese Gruppen werden nach einem Jahr aufgelöst und die Kinder kommen bereits mit schönen Deutschkenntnissen in den Regelkindergarten.

Wenn zusätzlich auch noch gute Elternarbeit und mehrsprachige Kindergarten-Bibliotheken weitere Kultur-Barrieren abbauen helfen würden, dann stünde einer echten sprachlichen Integration wirklich nichts mehr im Wege.

Warum hat die Bundesregierung nicht im vergangenen ersten Regierungshalbjahr einige seit Jahren bestehende �best practice�-Modelle angesehen und nun flächendeckend adaptiert und eingeführt, anstatt nur einige zusätzliche halbherzig verpflichtete Kindergartenkinder als genialen Wurf zu bezeichnen???

Und übrigens: Welche PädagogInnen werden diesen Kinder dann im Vorschulkindergarten mit welchen Materialien und Methoden Deutsch lehren??? Diese Frage ist scheinbar seit 2005 noch immer nicht verbindlich gelöst.

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