Eine Realität in aller Welt, die keine/keiner wahrnehmen möchte, im Fokus: Die Entstehung von Armut hat Struktur � sie wird durch Strukturanpassungsprogramme in den Entwicklungsländern genauso erzeugt wie durch neoliberale Reformen in Industriestaaten... "Armut ist kein Schicksal,sie wird gemacht."
Eine gemeinsame Veranstaltungsreihe von Südwind Tirol, Grüne Bildungswerkstatt Tirol, Initiative Armutsforschung Tirol und Haus der Begegnung.Gefördert durch die Öst. Gesellschaft für politische Bildung.
Donnerstag, 10. Mai 07, 19:30 Uhr, Haus der Begegnung
"Leben am Limit" - Von der neuen alten Armut
Vortrag von Mag. Martin Schenk (Sozialexperte,Armutskonferenz)
Armut ist nicht nur ein Mangel an Gütern sondern auch ein Mangel an Möglichkeiten, in zentralen gesellschaftlichen Bereichen zumindest in einem Mindestmaß teilhaben zu können: Wohnen, Gesundheit, Arbeitsmarkt, Sozialkontakte, Bildung. Wer verarmt, verliert substantielle Freiheiten. Was schwächt, was stärkt Armutsbetroffene? Was sind die �Lebensmittel�, die Menschen, die am Limit leben müssen, unterstützen?
Moderation: Mag. Heidi Unterhofer (Südwind Tirol)
Dienstag, 15. Mai 07, 19:30 Uhr, Haus der Begegnung
"In der Stadt, auf dem Land -ist Armut je bekannt?�
Formen von Ausgrenzung und Arten der Armutsbekämpfung
Vortrag von Univ. Prof. DDDr. Clemens Sedmak (lehrt an Universitäten in London und Salzburg, Dir. des Zentrums für Ethik und Armutsforschung/Slzbg.)
Armut hat viele Gesichter; ländliche Armut unterscheidet sich zum Beispiel in vielen Aspekten deutlich von städtischer Armut. Worin liegen die Unterschiede? Was bedeuten sie für Armutsbekämpfung? Der Vortrag geht diesen Fragen an konkreten Beispielen aus dem Norden und Süden nach.
Moderation: Marion Matuella (Initiative Armutsforschung Tirol)
Di, 22. Mai 07, 19:30 Uhr, Haus der Begegnung
"Armutsfalle Sozialstaat?"
Vortrag von Mag. Alexandra Weiss (Politologin, "Büro für Gleichstellung und Gender Studies" der Universität Innsbruck)
Der Sozialstaat verliert als Instrument der Umverteilung zunehmend an Bedeutung. Mit der politischen, ökonomischen und kulturellen Transformation der �Globalisierung� gibt der Staat seine soziale Verantwortung nach und nach auf. Damit wird eine �Spirale nach unten� in Gang gesetzt, die spezifische � auch in den �goldenen Zeiten� des Wohlfahrtsstaates benachteiligte � Gruppen verstärkt unter Druck setzt und in die Armut abdrängt.
Moderation: Mag. Christine Baur
Samstag, 9. Juni 07, 10 � 17 Uhr, Haus der Begegnung
"Globalisierung. Macht. Arm?"
Seminar mit Dr. Andreas Exenberger (Wirtschafts- und Sozialhistoriker, Volkswirt, Politologe)
Globalisierung macht arm. Dieser Satz trifft global betrachtet für viele Menschen zu. Globalisierungskräfte sind mitverantwortlich für zunehmende Arbeitslosigkeit und sinkende Reallöhne in Industriestaaten, für die Unterhöhlung von mühsam erkämpften sozialen Rechten und die Vernichtung mancher Lebensersparnisse in Schwellenländern, für die vielfältige Perspektivlosigkeit in den ärmsten Ländern, die bis zum Tod durch Hunger, Seuchen und Krieg reicht. Es gibt aber auch einen anderen Befund. Nicht nur für die wenigen Menschen, die aufgrund ihres Kapitalvermögens ständig steigende Gewinne auf den Weltfinanzmärkten lukrieren können, sondern auch für die vielen Konsument(inn)en, die von sinkenden Preisen profitieren, für Arbeitnehmer(inn)en in Exportgewerben weltweit, deren Reallöhne steigen, für Menschen an vielen Orten, die Teil globaler Solidaritätsnetzwerke werden, oder auch für Millionen von Menschen, denen durch neue Möglichkeiten erstmals die Chance geboten wird, einem Leben zu entkommen, das mehr einem langsamen Sterben gleicht.
Im Laufe des Workshops soll daher nicht erzählt werden, dass Globalisierung arm macht. Es soll vielmehr deutlich werden, in welchen Beziehungen "Globalisierung", "Macht" und "Armut" stehen. Damit wird es möglich, besser fundierte Entscheidungen zu fällen, die dazu beitragen, anstatt der negativen Folgen vielmehr die positiven Potentiale von Globalisierung zu realisieren.
Dr. Andreas Exenberger, geb. 1972 in Kufstein, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Wirtschaftstheorie, -politik und -geschichte an der Fakultät für Volkswirtschaft und Statistik der Universität Innsbruck. Er studierte Volkswirtschaft, Politikwissenschaft und Wirtschaftsgeschichte, kann auf mehrere Veröffentlichungen zur Geschichte der Globalisierung verweisen und arbeitet derzeit u. a. an einem vom Jubiläumsfonds der OeNB geförderten Forschungsprojekt zum Thema "Hunger und Globalisierung".
Anmeldung für Seminar erbeten: Haus der Begegnung, Tel.: 0512/58 78 69 - 0, Email: hdb.office@dioezese-innsbruck.at