AK-Präsident Dinkhauser: "Stillstand beim Arbeitnehmerschutz bedeutet Rückschritt"

Samstag, 05. Mai 2007, 21:30 Uhr

Beitrag von: O-PT-S

Arbeitsunfall in Tirol: Es passiert 21 Mal am Tag!


Alarm schlägt Tirols Abeiterkammer Präsident Fritz Dinkhauser angesichts der dramatischen Zunahme von Arbeitsunfällen in Tirol.

7.700 Arbeitsunfälle in Tirol

Immerhin passieren in Tirol im Schnitt 21 Arbeitsunfälle pro Tag. Insgesamt kam es im Jahr 2006 in unserem Bundesland zu mehr als 7.700 Arbeitsunfällen. Während die Arbeitsunfälle in den Jahren 2002 bis 2006 im gesamten Bundesgebiet stagnierten bzw. leicht rückläufig waren, sind sie in Tirol deutlich angestiegen! Am häufigsten betroffen sind die Beschäftigten der Baubranche.

Unfallprävention

Die AK Tirol sieht die Ursache für den Anstieg der Arbeitsunfälle vor allem in zunehmendem Stress, Zeit- und Termindruck. Für Einschulungen und Unterweisungen samt Information über die Unfallgefahren bei der Arbeit bleibt oft zu wenig Zeit. Auch die Kontrollen der Arbeitsinspektion sind nach Ansicht der AK Tirol zu wenig effektiv. Gerade hier fehlen die nötigen personellen Kapazitäten und es wurde der bloßen Beratungstätigkeit ein immer größerer Stellenwert eingeräumt.

Dinkhauser: �Der Bund hungert die AUVA finanziell aus. Ihr fehlen die notwendigen finanziellen Mittel für eine umfassende Unfallprävention.� Jeder Arbeitsunfall bedeutet für Betroffene persönliches Leid und gesundheitliche Schädigung, verursacht aber auch hohe betriebs- und volkswirtschaftliche Folgekosten. Alle Arbeitsunfälle zusammen verursachten allein im Jahr 2005 in Tirol 138.325 Krankenstandstage. Die durchschnittliche Krankenstandsdauer pro Arbeitsunfall betrug 21 Tage.

Unverständlich ist, dass wichtige AK-Forderungen zum Thema Arbeitnehmerschutz im Regierungsprogramm gänzlich unberücksichtigt geblieben sind. So fehlt etwa die Absicht zur Stärkung der Präventivfachkräfte oder auch das etwaige Vorhaben, die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) mit einem erweiterten Präventionsauftrag für arbeitsbedingte Erkrankungen bzw. Gesundheitsgefahren auszustatten.

Entgegen den AK-Forderungen verbleibt die Arbeitsinspektion aber auch weiterhin im Wirkungsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft, und dort wird bei der Arbeitsinspektion auf Beratung gesetzt. Die Kontrolltätigkeiten dieser Behörde gehen zurück�, ist Dinkhauser ob dieser Entwicklung besorgt.

Im Regierungsprogramm findet sich außerdem kein Wort zum technischen und arbeitshygienischen ArbeitnehmerInnenschutz. Die Versäumnisse, wie die Nicht-Erlassung der Verordnung über die manuelle Handhabung von Lasten (= Schutz der ArbeitnehmerInnen vor Belastungen durch schweres Heben und Tragen) oder die Nicht-Anpassung der Grenzwerte-Verordnung (= niedrigere Grenzwerte beim Arbeiten mit gefährlichen Arbeitsstoffen) bleiben damit aufrecht. �Stillstand bedeutet Rückschritt!�, ist AK-Präsident Fritz Dinkhauser mit der derzeitigen Entwicklung unzufrieden.

Verlängerung der Arbeitszeit konterkariert Arbeitnehmerschutz

Unter dem Titel �Flexibilisierung des gesetzlichen Arbeitszeitrechts� wird im Regierungsprogramm die Verlängerung der Arbeitszeit auf bis zu 12 Stunden täglich beabsichtigt. Aus Sicht des ArbeitnehmerInnenschutzes ist zu befürchten, dass dadurch noch mehr arbeitsbedingte Erkrankungen produziert werden und es auch zu einer Zunahme bei den Arbeitsunfällen kommt. Nach Ansicht des AK-Präsidenten konterkariert diese Vorhaben zugleich Maßnahmen des ArbeitnehmerInnenschutzes, der Prävention und der Betrieblichen Gesundheitsförderung.

Grundsätzlich positiv ist die Ankündigung zu bewerten, dass im Bereich Gesundheit die Prävention und Gesundheitsförderung mit einem neuen �Gesundheitsförderungsgesetz� ausgeweitet werden sollen. �Ohne Bereitstellung zusätzlicher finanzieller Mittel, wird aber auch das keinen Fortschritt bringen�, bleibt Dinkhauser realistisch.

Auch die angekündigte Ausweitung des gesetzlich verankerten NichtraucherInnenschutzes (räumlich abgetrennte Raucherzonen auch in Lokalen) ist ein Schritt in die richtige Richtung.

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