Arbeitsunfall in Tirol: Es passiert 21 Mal am Tag!
Alarm schlägt Tirols Abeiterkammer Präsident Fritz Dinkhauser angesichts der dramatischen Zunahme von Arbeitsunfällen in Tirol.
7.700 Arbeitsunfälle in Tirol
Immerhin passieren in Tirol im Schnitt 21 Arbeitsunfälle pro Tag. Insgesamt kam es im Jahr 2006 in unserem Bundesland zu mehr als 7.700 Arbeitsunfällen. Während die Arbeitsunfälle in den Jahren 2002 bis 2006 im gesamten Bundesgebiet stagnierten bzw. leicht rückläufig waren, sind sie in Tirol deutlich angestiegen! Am häufigsten betroffen sind die Beschäftigten der Baubranche.
Unfallprävention
Die AK Tirol sieht die Ursache für den
Anstieg der Arbeitsunfälle vor allem in zunehmendem Stress, Zeit- und
Termindruck. Für Einschulungen und Unterweisungen samt Information über die
Unfallgefahren bei der Arbeit bleibt oft zu wenig Zeit. Auch die Kontrollen der
Arbeitsinspektion sind nach Ansicht der AK Tirol zu wenig effektiv. Gerade hier
fehlen die nötigen personellen Kapazitäten und es wurde der bloßen
Beratungstätigkeit ein immer größerer Stellenwert eingeräumt.
Dinkhauser: �Der Bund hungert die AUVA finanziell aus. Ihr fehlen die
notwendigen finanziellen Mittel für eine umfassende Unfallprävention.� Jeder
Arbeitsunfall bedeutet für Betroffene persönliches Leid und gesundheitliche
Schädigung, verursacht aber auch hohe betriebs- und volkswirtschaftliche
Folgekosten. Alle Arbeitsunfälle zusammen verursachten allein im Jahr 2005 in
Tirol 138.325 Krankenstandstage. Die durchschnittliche Krankenstandsdauer pro
Arbeitsunfall betrug 21 Tage.
Unverständlich ist, dass wichtige AK-Forderungen zum Thema Arbeitnehmerschutz im
Regierungsprogramm gänzlich unberücksichtigt geblieben sind. So fehlt etwa die
Absicht zur Stärkung der Präventivfachkräfte oder auch das etwaige Vorhaben, die
Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA) mit einem erweiterten
Präventionsauftrag für arbeitsbedingte Erkrankungen bzw. Gesundheitsgefahren
auszustatten.
Entgegen den AK-Forderungen verbleibt die
Arbeitsinspektion aber auch weiterhin im Wirkungsbereich des Bundesministeriums
für Wirtschaft, und dort wird bei der Arbeitsinspektion auf Beratung gesetzt.
Die Kontrolltätigkeiten dieser Behörde gehen zurück�, ist Dinkhauser ob dieser
Entwicklung besorgt.
Im Regierungsprogramm findet sich außerdem kein Wort zum technischen und
arbeitshygienischen ArbeitnehmerInnenschutz. Die Versäumnisse, wie die
Nicht-Erlassung der Verordnung über die manuelle Handhabung von Lasten (= Schutz
der ArbeitnehmerInnen vor Belastungen durch schweres Heben und Tragen) oder die
Nicht-Anpassung der Grenzwerte-Verordnung (= niedrigere Grenzwerte beim Arbeiten
mit gefährlichen Arbeitsstoffen) bleiben damit aufrecht. �Stillstand bedeutet
Rückschritt!�, ist AK-Präsident Fritz Dinkhauser mit der derzeitigen Entwicklung
unzufrieden.
Verlängerung der Arbeitszeit konterkariert Arbeitnehmerschutz
Unter dem Titel �Flexibilisierung des
gesetzlichen Arbeitszeitrechts� wird im Regierungsprogramm die Verlängerung der
Arbeitszeit auf bis zu 12 Stunden täglich beabsichtigt. Aus Sicht des
ArbeitnehmerInnenschutzes ist zu befürchten, dass dadurch noch mehr
arbeitsbedingte Erkrankungen produziert werden und es auch zu einer Zunahme bei
den Arbeitsunfällen kommt. Nach Ansicht des AK-Präsidenten konterkariert diese
Vorhaben zugleich Maßnahmen des ArbeitnehmerInnenschutzes, der Prävention und
der Betrieblichen Gesundheitsförderung.
Grundsätzlich positiv ist die Ankündigung zu bewerten, dass im Bereich
Gesundheit die Prävention und Gesundheitsförderung mit einem neuen
�Gesundheitsförderungsgesetz� ausgeweitet werden sollen. �Ohne Bereitstellung
zusätzlicher finanzieller Mittel, wird aber auch das keinen Fortschritt
bringen�, bleibt Dinkhauser realistisch.
Auch die angekündigte Ausweitung des gesetzlich verankerten
NichtraucherInnenschutzes (räumlich abgetrennte Raucherzonen auch in Lokalen)
ist ein Schritt in die richtige Richtung.