Anfang März schlug die SPÖ-Unterrichtsministerin Dr. Claudia Schmied in Österreich ein neues Kapitel der Bildungspolitik auf. Ein frischer Wind kam somit in die seit 1962 "versteinerte" österreichische Schulpolitik. Das Synonym für die Veränderung heißt "gemeinsame Schule (für 10- bis 14-Jährige)" - und es soll helfen, den ideologischen SPÖ/ÖVP-Grabenkampf "Gesamtschule" versus "Einheitsbreischule" zu beenden.
Sichtbares und untrügliches Zeichen für die neue Schuldebatte ist die Medienpräsenz von Stichwörtern zum Thema. "Fünftes Volksschuljahr", "sechs Volksschuljahre", "verlängerte Volksschule", "gemeinsame Schule ." oder eben "Gesamtschule" - diese Stichwörter tauchten allein in der Tiroler Tageszeitung zwischen 1. März und 5. Mai mindestens 102-mal auf, 103-mal in drei Ausgaben der politischen Magazine (NEWS 17 und 18 und Profil 18). Mit der beherzten Eröffnung der Mittelstufendebatte hatte die brandneue Ministerin also einen wahren "Dammbruch" (NEWS 17) ausgelöst. Zur Kontrolle dieser Einschätzung hatte das Magazin NEWS in der Ausgabe 17 zu einer SMS-Umfrage unter seinen Lesern aufgerufen: "Soll die Gesamtschule flächendeckend eingeführt werden?"
Ergebnis: "Mit Ja antworteten 91 Prozent!" Damit ist der Ex-Nationalratspräsident Andreas Khol Lügen gestraft. Auf die Frage: "Derzeit werden Bildung und Steuerpolitik breit diskutiert. Wo sehen Sie Handlungsbedarf?" antwortete er in einem TT-Interview vom 30. Juli 2005: "Ich glaube, dass wir keinen Veränderungsbedarf haben." Das war ein fataler Irrglaube - wie die Nationalratswahl vom 1. Oktober 2006 zeigen sollte! Denn das starre Festhalten an der antiquierten ÖVP-Schulpolitik hatte der Partei nachweislich den begehrten Platz Nummer eins in der Wählergunst und somit die Kanzlerschaft gekostet. Und die Folgen des Wählervotums sind für alle Betroffenen bereits erfreulich spürbar: Schon zwei Monate, nachdem eine fortschrittliche Bildungsministerin am Schreibtisch am Minoritenplatz 5 Platz genommen hatte, gab die Zusicherung, dass ab Herbst endlich wieder mehr Lehrer und Mittel für die Schulen gewährt würden, anstelle weiterer Streichungen und Kürzungen.
Weiters wurden auch schon die ersten positiven Stimmen aus der ÖVP vernehmbar (seitens einiger der NOCH verbliebenen Landeshauptleute wie Pröll (NÖ), Pühringer (OÖ) und Van Staa (T)), die signalisierten, dass der ideologische "Klassenkampf" um die Bildungszukunft der Schulkinder zugunsten einer endlich einmal sachlich geführten Bildungsreform-Debatte beendet werden wird. Es besteht also berechtigte Hoffnung, dass in absehbarer Zeit Schlagzeilen wie diese aus der Tiroler Tageszeitung vom 3. Mai der Geschichte angehören: "Arme Kinder eher in der Hauptschule" (Armutskonferenz) und "Rassentrennung in der Schule" (Grüne versus ÖVP). Wird ja auch wirklich Zeit, dass endlich ALLE schulpflichtigen Kinder in Österreich Zugang zu gleich guten Schulen mit gleich gut entlohnten und qualifizierten Lehrern bekommen.
Monika Himsl