Psychotherapie auf Krankenschein

Montag, 16. April 2007, 14:03 Uhr

Beitrag von: O-PT-S

SP-Gesundheitssprecherin Schiessling: psychische Erkrankungen sollen nicht länger Stiefkinder der Gesundheitspolitik sein


"Unser Krankenversicherungssystem behandelt psychische und organische Krankheiten immer noch höchst unterschiedlich", stellt SP-Gesundheitssprecherin Gabi Schiessling fest. "Das ist ein Anachronismus, den es abzuschaffen gilt." Sie fordert die Behandlung psychischer Probleme auf Krankenschein. Derzeit bezahlt die Krankenkasse 21 Euro pro Psychotherapiestunde, die tatsächlichen Kosten liegen allerdings bei 60 bis 80 Euro. Die Differenz müssen Patientinnen und Patienten selbst bezahlen. "Das ist eine Menge Geld, die viele Menschen nicht aufbringen können." Wie wichtig die Behandlung psychischer Störungen sei, zeige auch die Tatsache, dass diese Krankheitsbilder bereits für die zweitlängste Aufenthaltsdauer in Krankenhäusern sorgen, noch vor den Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Zudem müsse der Leistungskatalog der Kassen für psychiatrische Behandlungen ausgeweitet werden, wiederholt Schiessling ihre Forderung nach einer besseren psychiatrischen Versorgung der Bevölkerung. Dazu gehören auch mehr Kassenstellen für Psychiater und Psychiaterinnen.

Wie sehr psychische Erkrankungen ein Stiefkind der Gesundheitspolitik seien, zeige sich auch beim Frauengesundheitsbericht des Landes Tirol, merkt Schiessling an. Das müsse sich im nächsten Bericht ändern.

Wichtig sei auch, sagt Schiessling abschließend, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten aus anderen Kulturkreisen auszubilden, um jenen Menschen besser helfen zu können, die nicht nur andere sprachliche, sondern auch kulturelle Hintergründe haben. "Das ist bei der Behandlung von psychischen Problemen ein entscheidender Faktor" so Schiessling.

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