Die Tiroler Sozialpartner warnen vor dem Sterben kleiner Unternehmen und Nahversorger.
Ein "absolutes Nein" zur Ausweitung der Ladenöffnungszeiten auf 72 Stunden pro Woche und zur "Zerschlagung der Strukturen in diesem Lande" haben am Freitag der Tiroler Arbeiterkammerpräsident Fritz Dinkhauser (V) sowie Vertreter der Tiroler Wirtschaftskammer und des ÖGB Tirol auf einer gemeinsamen Pressekonferenz ausgesprochen.
"Sterbegeld der Kleinen"
Was die großen Unternehmen dadurch dazuverdienen würden, sei "das Sterbegeld der Kleinen", kritisierte Dinkhauser.
Die geplante Ausweitung sei der "Todesstoß gegen die Kleinstrukturen und auch gegen Strukturen, die uns angeblich so wichtig sind wie Familie, Kinder und dörfliches Leben", erklärte der AK-Präsident. Frauen, die 80 Prozent der Angestellten im Handel ausmachten, würden besonders betroffen sein.
Laut Dinkhauser gebe es "riesige Unternehmungen, internationale Multis, die dieses Land immer mehr zu beherrschen versuchen". Einziges Ziel der Ausweitung sei es, die "Größeren noch größer zu machen zum Preis des Todes der Kleinen".
Dinkhauser lehne es ab, die Ausweitung über den Kollektivvertrag zu verhindern, es sei aber oft die einzige Möglichkeit. Es wäre zumindest ein Ansatz, wenn Teilzeitmitarbeiter im Handel für jede Stunde Mehrarbeit Überstundengeld ausbezahlt bekommen müssten. Zudem sei von den Sozialpartnern das Schnüren eines österreichweiten Nahversorgungspakets geplant.
Warnung vor Sterben kleiner Nahversorger
Auch Markus Wörle, Obmann des Tiroler Lebensmittel-Einzelhandels in der Wirtschaftskammer, warnte vor einem Sterben des Lebensmittelhandels auf dem Land. Die Einkaufszentren würden hingegen bei einer Ausweitung aufleben, da dort auch Unterhaltung geboten würde.
In der Wirtschaftskammer habe es einen Beschluss des Groß- und Einzelhandels im Lebensmittelbereich für das Belassen der 66 Stunden Öffnungszeit gegeben. Die bereits bestehenden Regelungen - wie beispielsweise die Tourismusregelung in Tirol - würden schon jetzt genügend Ausweitungsmöglichkeiten bieten.
Verschlechterung der Arbeitsbedingungen
Otto Leist, AK-Vizepräsident und Wirtschaftsbereichsvorsitzender für den Handel in der GPA Tirol, warnte vor noch größeren Belastungen und schlechteren Beschäftigungsverhältnissen für die Angestellten als bisher. In Summe würde durch die Ausweitung nicht mehr ausgegeben werden, denn "der Kuchen wird nicht mehr", sagte Leist.
Für Abg. Sebastian Eder (V), Sprecher von "Forum Land", einer Organisation zur Stärkung des ländlichen Raums, würden verlängerte Öffnungszeiten die Nahversorgung massiv in Gefahr bringen.
Zusätzlichen Beschäftigten in den Handelsketten würde der Verlust dezentraler Arbeitsplätze in den ländlichen Regionen gegenüber stehen, hieß es in einer Aussendung.
Quelle: APA/tirol.com