Am 13. Jänner findet im Innsbrucker Hafen ein weiteres Mal ein Konzert statt, bei dem eine Band auftreten wird, die bereits mehrmals durch antisemitische Aussagen auffiel.
Im Rahmen der Veranstaltung, die sich "Flesh for Satan" nennt, werden drei Bands auftreten, die der Subkultur des "Black Metal", einer Spielart des Heavymetal, zuzuordnen sind. Die Veranstalter, "BRUTAL ARTS TYROL", fallen in Innsbruck nun schon seit drei Jahren durch ihre Konzerte auf, bei denen u. a. extrem rechten Bands Raum gegeben wird.
Eine der Bands, "INQUISITON", gastierte bereits im Herbst 2005 in Innsbruck auf dem "Misanthropic Violence Festival", welches sogar im Jänner 2006 Anlass zu einer parlamentarischen Anfrage an Innenministerin Liese Prokop gab, in deren Beantwortung es hieß, daß der Verfassungsschutz "keine Handhabe für die rechtliche Untersagung des Konzerts" gehabt hätte.
In Interviews eines Mitglieds der Band "INQUISITION" finden sich z. B. folgende Äußerungen: "Die Hände der Inquisition haben mehr Juden getötet, als es den Nazis jemals gelungen ist und das ohne moderne Technologie." [...]
(http://www.doew.at/frames.php?/projekte/rechts/chronik/2005_10/metal.html,
3.1. 2006)
In diesem Statement bezieht sich das Bandmitglied in positiver Weise auf die massenhafte Vernichtung von Juden in der Europäischen Geschichte bis zu ihrem
grausamen Höhepunkt der industriellen Massenvernichtung in der NS-Zeit.
Satan ist ein Symbol der Freiheit und der Evolution, ohne durch das jüdische Moral-System, das vor über 2000 Jahren begonnen hat, kontrolliert zu werden.
[...] (ebda) Ich bin ein verheirateter Mann und habe dunkle Gedanken wie Juden, Christen und andere Insekten zu töten ..." (Interview mit dem Bandmitglied Dagon, 2002; Übersetzung hier und folgende Zitate: DÖW, ebda)
"Es ist das dunkle Feuer des Todes und der Vernichtung, welches nur zum Ziel hat, den Glauben der jüdischen Lämmer und der christlichen Schafe in Jesus Christus und Jehova zu beenden. Der Krieg gegen das Christentum und den jüdischen 'Kult' darf nie beendet werden. Das sind die Samen, die zerstört werden
müssen." (Interview mit dem Bandmitglied Dagon, 2005, ebda)
Der bei der Band "INQUISITION" zu Tage tretende Antisemitismus zeigt sich auch im Titel eines Liedes, das auf ihrer CD "Magnificent Glorification of Lucifer" 2004 bei "No Colours Records" veröffentlicht worden ist. Er lautet "Crush the jewish prophet" - "Vernichte den jüdischen Propheten". (ebda)
"No Colours" Records ist, laut der antifaschistischen Kommunikationsplattform "Turn it down", eine wichtige Grösse im nationalsozialistischen "Black Metal". (http://www.turnitdown.de/152.html, 20.09.2005) Auch die österreichische Band "HELLSAW", die bei diesem Konzert als Vorband auftreten wird, hat ihre einen ihrer Tonträger bei den rechtsextremen
Plattenlabels "WESTWALL" und "IRMINSUL RECORDS" produziert.
(http://www.hellsaw.at.tt/ , 8.1.2006)
Im Zusammehang mit der Entwicklung der rechten Szene in Innsbruck in den letzten Monaten und Jahren erscheint dies als ein weiterer Hinweis, dass der
rechten Szene in dieser Stadt ein dauerhafter Freiraum und somit Möglichkeiten, sich zu vernetzen und weiterentwickeln, geboten wird. Dies äußert sich in den zunehmenden Übergriffen rechter Gewalt, wie sie im Sommer und Herbst 2006 in Innsbruck zu beobachten waren.
Verbote von Blackmetalkonzerten an sich scheinen hinsichtlich der Anwesenheit einer unpolitischen bis linken Blackmetalszene eher kontraproduktiv, doch es ist angebracht, dem rechtsextremen Anteil der Szene keinen Raum zu gewähren, indem keine homophoben, antisemitischen oder rechtsextremen Bands veranstaltet werden.