Bittere Pille:Medikamentenspenden-Diskussion nur die Spitze des Eisberges

Freitag, 12. August 2005, 14:34 Uhr

Beitrag von: O-PT-S

Aufgrund der Debatte um teure Medikamente in der Krebstherapie, sieht die Tiroler SPÖ Gesundheitssprecherin LA Gabi Schiessling, die Gefahr einer Zwei-Klassen-Medizin. Medikamente müssen jedem Patienten nach geltenden Standards zu Verfügung gestellt werden, zitiert Schiessling das Krankenanstaltengesetz und meint, dass es kein Patient verstehen würde, dass Medikamente zu teuer sein sollen, wenn gleichzeitig zwei Milliarden für Abfangjäger ausgegeben werden. "Richtig, aber reichlich spät kommt diese Erkenntnis der `Landesroten`", so der Sprecher des GLB-Tirol, Josef Stingl. "Ist es der SP-Gesundheitssprecherin entgangen, dass bereits 2003 eine Studie des niederländischen Gesundheitsministeriums feststellte, dass Pharmakonzerne zwischen 25 und 30 Prozent ihres Budget für Werbung, PR und Marketing und nur 15 Prozent für Forschung aufwenden.

Stingl verweist auf die Initiative des GLB, in der die AK aufgefordert wird mit einer Gesetzesvorlage für einen modernen Gesundheitsdienst bei dem der Mensch und nicht der Profit - und das natürlich ohne Privatisierung - im Mittelpunkt steht aktiv zu werden. Der GLB verlangt in diesem AK-Antrag ein Gesundheitssystem mit Pflichtversicherung und selbstverwaltenden Sozialversicherungen, bei dem alle hier lebenden Menschen auf unkompliziertem Weg, ohne Selbstbehalte zur optimalen, zeitgemäßen, medizinischen Betreuung kommen. Stingl: "Im Übrigen wurde der Antrag bei der 144. Vollversammlung der AK-Tirol einstimmig zur Weiterbearbeitung dem Sozialpolitischen Ausschuss der AK-Tirol zugewiesen. Seitdem ist seitens der AK nichts geschehen, weder von den Christlichsozialen noch von den SozialdemokratInnen."

Der GLB-Sprecher verweist darauf, dass die Zuteilung von Gratismedikamenten nur die Spitze eines Eisberges ist. Unterhalb des Wasserspiegel "stinke" es noch viel mehr. Dabei sei nicht nur erwähnt, dass Ärzte von den Pharmakonzernen zu sogenannten Weiterbildungsseminaren in Luxushotels geladen werden, sondern auch, dass in Österreich der Anteil der Gesundheitsausgaben der öffentlichen Hand am Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei knapp über 5 Prozent liege und laut OECD in den letzten 20 Jahren sogar leicht gesunken sei. "Trotzdem wird uns eine Kostenexplosion vorgegaukelt um das österreichische Gesundheitssystem krankreden und so leichter der Kapitaloffensive unterworfen zu können."

"Das Gesundheitssystem wird sicher nicht von einem Tag auf den anderen privatisiert oder gar abgeschafft. Aber, mit den ständig neuen Selbstbehalten und den ständig steigenden Selbstbehalten wird das System des solidarisch finanzierten Gesundheitswesens unterwandert und zu Ungunsten der arbeitenden Bevölkerung verschoben. Denn, gibt es einmal einen Selbstbehalt, dann ist dieser ohne große Probleme innerhalb kurzer Zeit zu erhöhen. Beispiel Spitalsaufenthaltsgeld: Vor einigen Jahren mit 50 Schilling pro Tag eingeführt, liegt es jetzt bei 10 Euro täglich. Immerhin fast das Dreifache des ursprünglichen Selbstbehaltes", so Stingl.

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