Scharf ins Gericht geht Josef Stingl, stv. Bundesvorsitzender der
Gewerkschaftlichen Linksblock (GLB) mit der Industriellenvereinigung (IV). "Nur
weil die Industriellenvereinigung es periodisch die Formel 10-12-60-2 (tägl.
Normalarbeitszeit10 Stunden, Höchstarbeitszeit mit zwölf Stunden, wöchentl.
Höchstarbeitszeit 60 Stunden) verlangt, heißt das noch lange nicht, dass die
Forderung auch gerechtfertigt ist" so der GLB-Sprecher und bietet für 2006 die
"Formel 6-5-100" (6 Stunden am Tag, 5 Tage in der Woche bei vollem Lohn) an.
Stingl begründet dies mit der ständig steigenden Arbeitslosigkeit und dass Österreich derzeit laut Eurostat ohnehin mit einer Arbeitszeit von 44,1 Stunden pro Woche mit den Griechen (44,3 Stunden) die längsten Arbeitszeiten in Europa habe. Seine Antwort, durchschnittlich 4,1 Überstunden pro Beschäftigten, bedeuten bei 3,2 Millionen Beschäftigten immerhin rund 300.000 Vollzeitarbeitsplätze, die man ohne Überstunden schaffen könne.
"Der Abbau der Überstunden gepaart mit der vom GLB geforderten Arbeitszeitverkürzung - natürlich bei vollem Lohn - würde über Jahre hinweg Vollbeschäftigung sichern", stellt der GLB-Sprecher fest. Zum Argument der Wirtschaft, sie könne sich dies nicht leisten, meint er: "Überstunden kosten nach österreichischen Recht 150 Prozent. Neue Arbeitsplätze statt Überstunden bedeuten aber Normalarbeitszeit. Die UnternehmerInnen ersparen sich dadurch eine beträchtliche Lohnsumme aus dem Wegfall der Überstundenzuschläge, die für die Arbeitszeitverkürzung herangezogen werden kann. Den kleinen, fehlenden Rest für den Lohnerhalt bei der Arbeitszeitverkürzung haben sich die Beschäftigten durch die stark gestiegene Produktivität ohnehin schon erarbeitet."