Postamt um Postamt...

Montag, 16. Januar 2006, 10:54 Uhr

Beitrag von: GLB

von Wilfried Hanser

"Es wird alles immer besser" tönt es von Seiten der Regierung. Die Realität ist eine andere: Als Vorbereitung auf den Börsegang wurden in Innsbruck bereits 2 von 9 Postämtern geschlossen: Mühlau und Hötting. Die PostbeamtInnen erfuhren es aus der Zeitung und wurden bis zu letzten Tag über ihr weiteres Schicksal im Unklaren gelassen.

Doch das ist erst der Anfang. Wie aus postinternen Kreisen verlautet, ist insbesondere nach dem Börsegang geplant, alle Postämter bis auf 2 (wahrscheinlich Bahn- und Hauptpostamt) zu schließen und wahrscheinlich im Sillpark eine Filiale zu eröffnen. Für uns KundInnen verlängern sich dadurch die täglichen Wege deutlich. Sei es, dass ein Paket abzuholen oder aufzugeben, ein eingeschriebener oder unterfrakierter Brief bzw. ein Geldbetrag zu beheben ist. Dazu kommt, dass im Zuge der Privatisierungsbestrebungen der Regierung die bisherigen Briefkästen verschrottet und statt dessen EU-genormte Briefkästen vorgeschrieben werden, die allen künftigen Zustellerfirmen zugänglich sind. Die privaten Zustellerfirmen haben damit die Möglichkeit, uns hineinzustopfen, was sie wollen. Wenn das Kastl schon zu voll ist, um ihren Werbemüll loszuwerden, könnte es ja durchaus sein, dass mit dem Werbemüll des Konkurrenzzustellers auch persönlich adressierte Post mit rausfliegt, um Platz zu schaffen für neuen Werbemüll. Die Kosten für die neuen Briefkästen (und die Demontage der alten) dürfen wir natürlich selbst tragen.

Bei der Paketzustellung sind die Folgen ja bereits spürbar. Eine Reihe privater Firmen (UPS, DPD, APS, MailBoxes, Global Mail, CPress und viele kleine Firmen) raufen sich um den Markt. Dadurch entstehen jede Menge leerer Kilometer. Nicht selten stehen vor einer Firma mehrere Kleinbusse verschiedener Zustellerfirmen Schlange, die jeweils wenige Pakete abliefern, dafür aber überallhin fahren müssen. Blöd ist nur, wenn sie gerade nicht zu Hause sind, wenn ein Paket zugestellt werden soll. Sie dürfen es dann in der - möglicherweise im ganzen Land einzigen - Zentrale der Zustellerfirma selbst abholen, vielleicht in Stams oder wo?Die Organisation vieler Logistikfirmen ist wesentlich aufwändiger als eine zentrale Logistik, bei der eine Straße oder ein Ort nur mit einem Fahrzeug anzufahren ist. Dazu kommt, dass das Geschäft in den Ballungszentren natürlich viel attraktiver, am Land dagegen ziemlich uninteressant ist. Dementsprechend wird die Versorgungssituation aussehen. Und auch bei der Bahn ist Ähnliches im Gange.

Auf diesem Hintergrund bleibt die Stellungnahme der Personalvertretung (Zangerl, ÖVP) unverständlich, dass sich die Tiroler PostlerInnen nicht an einem möglichen bundesweiten Streik gegen die Privatisierung/ den Börsegang beteiligen sollen. Die Privatisierung ist doch die Triebfeder, alles abzuschaffen, das zwar Service für die Kunden, aber aus betriebswirtschaftlicher Sicht nur lästige Kosten bedeutet.

Bezeichnend ist natürlich auch, dass die Stadtregierung schon bei der Schließung der Postämter Mühlau und Hötting völlig untätig geblieben ist, obwohl es diesbezügliche Einspruchsmöglichkeiten gegeben hätte. Von keiner im Parlament, Stadt und Land vertretenen Partei waren Proteste zu vernehmen. Anscheinend müssen wir uns um alles selber kümmern.....

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