"Fein", so der stellvertretende Vorsitzende des Gewerkschaftlichen Linksblock (GLB), Josef Stingl, ironisch, "alles was bei der Einführung der e-card noch bestritten wurde, wird jetzt zur Wahrheit. Die TirolerInnen können sich ab März e-card zu einer "Bürgerkarte" aufrüsten lassen. Datenschutzproblem und Sicherheitslücken werden allerdings verschwiegen."
Geworben wird, dass die e-card das Leben künftig leichter machen wird, Amtswege bequem von zu Hause aus erledigt werden, Antragsformulare herunter geladen oder die Versicherungsdaten abgefragt werden können. Und, die e-card soll in Zukunft noch viel mehr können. Sie soll der Schlüssel sein, um künftig auch auf Gesundheitsdaten von Patienten zurückgreifen zu können. Daran arbeiten zurzeit die TILAK, die Medizin-Uni, das Institut für Informatik und die Haller Privat-Uni UMIT in enger Kooperation.
Stingl warnt davor, dass mit einer Multifunktionskarte auf der Arztbesuch, Gesundheitsdaten, Rezeptabwicklung, Identitätsnachweis und womöglich auch noch Bankomat- und Kreditkartenfunktion geregelt sind, wandelnde Datenschutzbomben seien. "Ein findiger Programmierer und der/die ÄrztIn kann feststellen ob PatientIn für eine teurere Behandlung auch die notwendige Liquidität aufweist, oder der Bankangestellte feststellen, ob KreditnehmerIn auch gesund genug ist, den Kredit mit Zins und Zinseszins zurückzahlen zu können, oder der künftigen Arbeitgeber feststellen, ob zukünftige/r ArbeitnehmerIn viele Krankenstände vorweist."
Schwarzmalerei? Keinesfalls, alle Daten der e-card laufen über einen sogenannten "Peering Point". Eine Verbindung mehrerer Datennetze nach festgelegten Sicherheits- und Verfügbarkeitsrichtlinien. Laut Sozialversicherungshauptverband ist durch das Chipkarten-Sicherheitssystem gewährleistet, dass nur Informationen freigegeben werden, die der "Zugriffsberechtigte" einsehen darf. Anders sieht dies Klaus Propst, Präsident des Softwareverbands ÖMS: "Ein zentraler Knotenpunkt macht einen möglichen Datenmissbrauch so einfach wie noch nie." Oder Dr. Manfred Weindl vom Österreichischen Hausärzteverband: " Kein Arzt und kein Patient kann nachvollziehen, wer noch von den Patientendaten erfährt, wenn sie einmal abgeschickt sind."