Die nächste Schließungswelle könnte bevorstehen, obwohl die letzte noch nicht einmal verkraftet ist. Insgesamt 13 Gemeinden, darunter Roppen, Scharnitz und Hochfilzen, wollen nun gegen die Postschließungen klagen.
Jedes dritte Postamt geschlossen
Arbeiterkammer und Postgewerkschaft wollen dafür
Indizien haben, dass eine neuerliche Post-Schließungswelle geplant ist. Die
Frage nach dem nächsten Postamt wird somit in Tirol immer schwerer zu
beantworten, denn mittlerweile ist jedes dritte Postamt dicht. "Defizitär
und deshalb unrentabel", begründet es die Zentrale in Wien.
Raich: "Zahlen wurden nie offengelegt
Josef Raich, Bürgermeister von Kaunertal-Feichten, versteht nicht, wo sein
Postamt defizitär sein soll: "Wir haben verlangt, dass man uns Zahlen auf
den Tisch legt, die uns nie offen gelegt wurden. Wir mussten uns bisher mit dem
zufrieden geben, was sie uns vorgelegt haben. Was mich am meisten geschockt hat,
war, dass ich von Mitarbeitern der Post erfahren habe, dass – nach Einwohnern
berechnet – die Post im Kaunertal anscheinend die Fünfundzwanzigbeste in
Tirol war", sagt Raich.
Bürgermeister wehren sich
Raich ist einer von 13 Bürgermeistern, die gegen
die Schließungen klagen. Als Grundlage dienen eigene Berechnungen.
Wirtschaftsprüfer haben im Auftrag der Arbeiterkammer und der Postgewerkschaft
nachkalkuliert, und sind zum Ergebnis gekommen, dass viele geschlossene Postämter
sogar in der Gewinnzone wären.
Zangerl: "Neue Schließungswelle
geplant"
Postgewerkschafter Erwin Zangerl ist sich sicher: Hier wurden die Postämter zu
Tode gerechnet, um sie anschließend abwürgen zu können. Dabei drohe auch
schon die nächste Schließungswelle, glaubt Zangerl und beruft sich auf die
Aussagen des Gemeindebundpräsidenten: "Der schreibt in der
offiziellen Zeitung der Tiroler Gemeinden, dass die Post die neue Schließungswelle
für 2006 angekündigt hat."
Zahlen vollkommen seriös
Post Pressesprecher Martin Riedl dementiert diese
Behauptungen: Zu einer weiteren Schließungswelle werde es nicht kommen und die
beanstandeten Zahlen seien vollkommen seriös.
Riedl: "Einzelfälle - keine Schließungswelle"
"Es wird sicher in den nächsten Jahren auch zu Zusammenschlüssen
von Postämtern kommen, aber das werden immer nur Einzelfälle sein. Ich kann da
beruhigen: Es wird definitiv keine Schließungswelle geben."
Klärung durch Gerichtsverfahren
Welche Berechnungen nun stimmen, wird das
Gerichtsverfahren klären, denn da müssen die Zahlen auf den Tisch.
(ORF-Tirol, 21.7.2005 - http://tirol.orf.at/stories/46883/)