Postämterschliessung - Gemeinden gehen vor Gericht

Freitag, 22. Juli 2005, 12:27 Uhr

Beitrag von: GLB

Die nächste Schließungswelle könnte bevorstehen, obwohl die letzte noch nicht einmal verkraftet ist. Insgesamt 13 Gemeinden, darunter Roppen, Scharnitz und Hochfilzen, wollen nun gegen die Postschließungen klagen.

Jedes dritte Postamt geschlossen
Arbeiterkammer und Postgewerkschaft wollen dafür Indizien haben, dass eine neuerliche Post-Schließungswelle geplant ist. Die Frage nach dem nächsten Postamt wird somit in Tirol immer schwerer zu beantworten, denn mittlerweile ist jedes dritte Postamt dicht. "Defizitär und deshalb unrentabel", begründet es die Zentrale in Wien.

Raich: "Zahlen wurden nie offengelegt
Josef Raich, Bürgermeister von Kaunertal-Feichten, versteht nicht, wo sein Postamt defizitär sein soll: "Wir haben verlangt, dass man uns Zahlen auf den Tisch legt, die uns nie offen gelegt wurden. Wir mussten uns bisher mit dem zufrieden geben, was sie uns vorgelegt haben. Was mich am meisten geschockt hat, war, dass ich von Mitarbeitern der Post erfahren habe, dass – nach Einwohnern berechnet – die Post im Kaunertal anscheinend die Fünfundzwanzigbeste in Tirol war", sagt Raich.

Bürgermeister wehren sich
Raich ist einer von 13 Bürgermeistern, die gegen die Schließungen klagen. Als Grundlage dienen eigene Berechnungen. Wirtschaftsprüfer haben im Auftrag der Arbeiterkammer und der Postgewerkschaft nachkalkuliert, und sind zum Ergebnis gekommen, dass viele geschlossene Postämter sogar in der Gewinnzone wären.

Zangerl: "Neue Schließungswelle geplant"
Postgewerkschafter Erwin Zangerl ist sich sicher: Hier wurden die Postämter zu Tode gerechnet, um sie anschließend abwürgen zu können. Dabei drohe auch schon die nächste Schließungswelle, glaubt Zangerl und beruft sich auf die Aussagen des Gemeindebundpräsidenten: "Der schreibt in der offiziellen Zeitung der Tiroler Gemeinden, dass die Post die neue Schließungswelle für 2006 angekündigt hat."

Zahlen vollkommen seriös
Post Pressesprecher Martin Riedl dementiert diese Behauptungen: Zu einer weiteren Schließungswelle werde es nicht kommen und die beanstandeten Zahlen seien vollkommen seriös.

Riedl: "Einzelfälle - keine Schließungswelle"
"Es wird sicher in den nächsten Jahren auch zu Zusammenschlüssen von Postämtern kommen, aber das werden immer nur Einzelfälle sein. Ich kann da beruhigen: Es wird definitiv keine Schließungswelle geben."

Klärung durch Gerichtsverfahren
Welche Berechnungen nun stimmen, wird das Gerichtsverfahren klären, denn da müssen die Zahlen auf den Tisch.

(ORF-Tirol, 21.7.2005 - http://tirol.orf.at/stories/46883/)

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