Kranke Menschen durch Transitbelastungen - Wen störts, der Profit stimmt

Donnerstag, 26. Mai 2005, 14:17 Uhr

Beitrag von: GLB

Der GLB-Tirol unterstützt die morgige BürgerInnenversammlung des Transitforums auf der Inntalautobahn. Möglich wurde das verkehrspolitische Desaster durch die Politik der österreichischen Bundesregierungen, die durch ihre Unterordnung unter EU-Interessen, keinen Widerstand gegen diese Entwicklung leisten. Nach dem Ende der 12jährigen Laufzeit des Transitvertrages nahm der Transitverkehrs rasant zu und geht mit einer enormen zusätzlichen Belastung für die Bevölkerung einher, insbesondere entlang der wichtigsten Nord-Süd-Transitroute durch das Inntal und über den Brenner.

Laut Umfragen fühlt sich fast ein Drittel der Bevölkerung durch Lärm gestört. Jeder zehnte Mensch fühlt sich durch Lärm "sehr stark" oder "stark" gestört. Fast die Hälfte leidet unter Schlafstörungen, ein Drittel Konzentrationsstörungen und 280.000 Menschen an einer allgemeinen gesundheitlichen Beeinträchtigung durch Lärm. Die Lärmquelle Nummer eins ist mit 75 Prozent tagsüber und 50 Prozent nachts nach wie vor der Straßenverkehr. Eine Studie über die Lärmbelastung im Tiroler Inntal hat ergeben, dass sich Lärm besonders negativ auf Kinder durch erhöhten Blutdruck und erhöhte Stresshormone auswirkt. Laut einer Untersuchung des Verkehrsclubs Österreichs (VCÖ) erfolgt durch Verkehrslärm eine Minderung der Immobilienwerte um rund 1,2 Mrd. ¤ pro Jahr.

Dazu kommt, waren vor 30 Jahren Schwefeldioxid und vor 15 Jahren Stickstoffdioxid die zentralen Schadstoffe, so ist heute die zunehmende Belastung durch Feinstaub (PM10) das größte Umweltproblem. Feinstaub entsteht durch chemische Reaktionen von Nitrat, Sulfat und Ammonium aus Ruß, Abrieb und anderen Abgasen von Kraftfahrzeugen (insbesondere solchen mit Dieselmotoren), Heizungsanlagen, Industrie, Baustellen sowie aus Streusplitt in der Luft. Die Partikel mit einem Durchmesser kleiner als zehn Mikrometer (0,001 Millimeter) gelangen über den Kehlkopf bis tief in die Lunge. Feinstaub ist zumeist toxisch oder kanzerogen und daher besonders gesundheitsschädlich. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) führt eine erhöhte PM10-Belastung zu vermehrten Erkrankungen des Atmungs- und des Herz-Kreislaufsystems. Die WHO stufte bereits 1996 die lungengängigen Partikel als Hauptproblem der Umweltbelastung in Europa ein.

Bereits in den letzten Jahren wurden in zahlreichen Städten PM10-Werte weit über dem im Immissionsschutzgesetz Luft (IG-L) festgelegten Grenzwert registriert. Besonders betroffen sind Orte in Tal- und Beckenlagen wie Graz, Klagenfurt und das Inntal. Nach der EU-Richtlinie darf der Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft jedoch an höchstens 30 Tagen im Jahr (ab 2010 an 25 Tagen) überschritten werden. Heuer wurden in fast allen Landeshauptstädten und Ballungszentren bereits im März das 35-Tage-Limit überschritten.

Notwendig ist endlich bundesweit gültige Alarmschwellen entsprechend der EU-Richtlinie festzulegen, damit im Anlassfall tatsächlich Maßnahmen gesetzt werden müssen. Nach den positiven Erfahrungen von Städten im Ausland (Italien usw.) ist bei Überschreitung der Grenzwerte eine radikale Eindämmung des Verkehrsaufkommens durch Tempolimits, Fahrverbote oder autofreie Tage" notwendig. Positiver Nebeneffekt; eine Reduzierung des Verkehrslärms wird durch Tempolimits erreicht, so wird die Lärmbelastung bei einer Reduzierung von 50 auf 30 km/h halbiert.

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