Studie des Boltzmann-Instituts: Plegenotstand in der mobilen Pflege

Donnerstag, 21. April 2005, 16:09 Uhr

Beitrag von: GLB

(APA) - In der mobilen Pflege in Österreich sind derzeit 3.399 diplomierte und nichtdiplomierte Pflegerinnen tätig, dem gegenüber stehen nach Schätzungen von Experten rund 40.000 illegal Beschäftigte.

Auf diese dramatischen Zahlen machte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz die ÖGB-Fachgruppenvereinigung für Gesundheitsberufe (FGV) aufmerksam. Ein Pflegenotstand in der häuslichen Pflege sei daher auf den ersten Blick nicht sichtbar, da es diesen "grauen und schwarzen Markt" gebe, so FGV-Vorsitzende Monika Mauerhofer.

Diese illegal beschäftigten Pflegekräfte aus Tschechien, der Slowakei, Ungarn oder Bulgarien seien bei einem Minimum von Einkommen oft 24 Stunden im Einsatz. "Das ist moderne Sklaverei, die man hier betreibt", so Mauerhofer. Dieser Markt müsste zunächst einmal genau
beleuchtet werden, lautet daher eine Forderung von Mauerhofer an die Politik. Zuerst müsse erfasst werden, wie das abgewickelt werde. Die Politik habe hier jedenfalls Handlungsbedarf: Diese Beschäftigten bräuchten auch eine gerecht Bezahlung und müssen Abgaben leisten.

Auf Grund von Problemen im häuslichen Pflegebereich habe die FGV ein Studie beim Ludwig-Boltzmann-Institut in Auftrag gegeben, die auch Lösungsansätze erarbeiten sollte, so Mauerhofer. Dabei zeigte sich für den Verfasser der Studie, Karl Krajic, ein "überraschendes Bild". So lasse sich kein "Pflegenotstand" im mobilen Bereich im Sinne von akuter Personalknappheit, hoher Unzufriedenheit und expliziten Qualitätsmängeln diagnostizieren. Ein Grund dafür ist für Krajic, dass es im mobilen Bereich keine Letztverantwortung gebe, d.h. man könne noch immer ein "höhere" Versorgungsstufe - etwa ein Krankenhaus - in Anspruch nehmen. Außerdem verwies auch er auf den wachsenden Bereich der illegalen Pflege.

Dass kein Pflegenotstand in der Untersuchung festgestellt werden konnte, ist für Krajic aber "kein Grund zum Jubeln". Denn: "Wenn wir nicht Vorsorge treffen", werde dieser Pflegenotstand zwar nicht im
mobilen aber bald im stationären Bereich spürbar werden. An konkreten Maßnahmen schlagen die Autoren der Studie daher etwa attraktivere Stellenbeschreibungen für qualifiziertes Personal, Weiterentwicklung
der Führungsstrukturen, Qualitätssicherung oder auch eine Weiterentwicklung der rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen vor. Und sie sprechen sich auch für eine explizite Einbindung des
"grauen/schwarzen" Pflege- und Betreuungssektors vor, etwa im Form von zeitlich befristeten Regelungen vor.

Im Gegensatz zu der Studienautoren ist für Monika Wild vom Österreichischen Roten Kreuz in der Praxis übrigens sehr wohl ein
Pflegenotstand feststellbar: Für ihre Organisation sei es sehr schwer, geeignetes Personal zu finden.

Die FGV fordert daher mehr Investitionen im extramuralen Bereich. Es brauche mehr qualifiziertes Personal, so der stellvertretende FGV-Vorsitzende Johann Hable. Dazu notwendig sei auch ein
bundeseinheitliche Regelung des Gesundheits- und Krankenpflegegesetzes. Er fordere vom Ministerium eine "unverzügliche Novellierung", so Hable. Heftigst abgelehnt wird von der Gewerkschaft die umstrittene EU-Dienstleistungsrichtlinie: Pflege- und Gesundheitsberufe seien davon auszunehmen, so Hable und drohte andernfalls gleich mit Kampfmaßnahmen.

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