Zwischen Tiwag und einer Homepage fliegen die Fetzen

Montag, 21. März 2005, 14:29 Uhr

Beitrag von: GLB

Es ist eine brisante Liste, die Kraftwerksgegner Markus Wilhelm heute Vormittag auf seiner Internetseite www.dietiwag.org veröffentlicht hat. Sie listet rund 20, vorwiegend amerikanische Firmen, auf, die mit der Tiwag die umstrittenen so genannten Cross-Border-Leasing- Millionengeschäfte geschlossen haben sollen.

Gegen Mittag hat, nach mehreren Schreiben der Tiwag-Anwälte, die so genannte Registrierungsstelle diese Seite gesperrt und aus dem Netz genommen. Bericht: Markus Sint Die Cross-Border-Verträge der Tiwag als streng gehütetes Geheimnis gegolten. Dazu, so die Tiwag, habe sie sich vertraglich verpflichtet. Nicht einmal der Landtag konnte die Verträge einsehen. Heute hat Kraftwerksgegner Markus Wilhelm auf seiner Internetseite eine Liste von rund 20 Firmen veröffentlicht.

Es stellt ein Geflecht von amerikanischen Firmen dar, die alle an den Cross-Border- Geschäften mit der Tiwag beteiligt sein sollen. Neben internationalen Banken steht auch die BTV, die Bank für Tirol und Vorarlberg, auf der Liste. Interview dazu wollte der BTV-Vorstandssprecher heute keines geben. Doch wie heikel sind diese bisher geheimen Vertragsdetails? Die Tiwag-Anwälte wollten sie verhindern. Noch vor der Veröffentlichung wiesen sie in einem drei Seiten langen Schreiben an Wilhelm auf die Verschwiegenheitspflicht hin.

Bei Verletzung könnten Schadensersatzansprüche gegen die Tiwag die Folge sein, so die Anwälte. Und sie drohten: Die Tiwag werde sich vollständig schadlos halten. Offen ist, ob das heutige ins Netz stellen von Vertragsdetails einen Vertragsbruch bedeutet. Offen ist auch, wie die amerikanischen Geschäftspartner der Tiwag reagieren. Für die Tiwag scheint die Lage wirklich ernst zu sein. Die internationalen Vertragspartner wollten bisher stets streng geheim bleiben. Und zu dieser Geheimhaltung hat sich die Tiwag in den Cross-Border-Verträgen auch verpflichtet.

Die heutige Veröffentlichung im Internet könnte aus Sicht der amerikanischen Firmen durchaus einen Vertragsbruch durch die Tiwag darstellen. Und dann könnten teure Schadenersatzklagen drohen. Zufall, oder nicht - die Tiwag-Spitze mit Vorstandsvorsitzendem Bruno Wallnöfer war heute auf Klausur. Wallnöfer war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, auch Wilhelm nicht. Die Attacke aus dem Netz hat die Tiwag heute erwidert. Gegen Mittag hat die Registrierungsstelle die Internetseite gesperrt und aus dem Netz genommen - nach mehreren Schreiben der Tiwag-Anwälte, wie sie betonte. Morgen Früh will Wilhelm seine Informationen unter der Adresse www.dietiwag.org wieder ins Netz stellen.

[Quelle: Tirol heute; Moderation: Georg Laich]

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