Das Austria Tabak-Werke in Schwaz (Tirol) und Fürstenfeld (Steiermark) werden noch im Laufe dieses Jahres zugesperrt. 110 Beschäftigte sind allein in Schwaz davon betroffen.
Die Austria Tabak, die vor vier Jahren an den englischen Gallaher-Konzern verscherbelt wurde, ist nach der Semperit Traiskirchen ein weiteres Lehrbeispiel, was die Verschleuderung öffentlichen Eigentums bedeutet, den Verlust des Industriestandortes Österreichs und den Verlust zahlreicher Arbeitsplätze.
Eine der ersten Maßnahmen der schwarzblauen Regierung war das ÖIAG-Gesetz 2000, das den Verkauf sämtlicher ÖIAG-Beteiligungen also auch an der Austria Tabak, vorsah. Die ÖIAG ist auf diese Art in eine reine Privatisierungsagentur verwandelt worden, die nicht mehr auf österreichische Interessen, sondern ausschließlich auf die Bedürfnisse des Finanzministers nach möglichst raschen Verkaufserlösen Bedacht nimmt. Gerüchte, dass einer der vier österreichischen Standorte aus Rationalisierungsgründen geschlossen werden könnte, hat es bald nach der Übernahme durch den britischen Tabakriesen gegeben. Doch Gallaher habe bis zuletzt versichert, Schwaz stehe nicht zur Diskussion. Vor zwei Wochen ist die Garantie zur Standortsicherung Schwaz ausgelaufen, jetzt kommt die Hiobsbotschaft der Schließung aus der Konzernleitung.
110 Menschen in Tirol betroffen
110 Kolleginnen und Kollegen des Austria Tabak-Werkes in Schwaz werden noch im Laufe dieses Jahres ohne Arbeit sein. Am Vormittag haben die ersten erfahren, dass sie ihren Arbeitsplatz in Schwaz verlieren werden. Besonders hart treffe es jene Familien, wo mehrere Familienmitglieder in der Tabakfabrik arbeiten. Bürgermeister Lintner meint schockiert dazu, dass die Silberregion mit der Schließung des Elektra-Bregenz-Werks im letzten Jahr schon bedient genug gewesen wäre. GLB verlangt ein Stopp der Privatisierungswelle. Die Austria Tabak ist ein weiteres Lehrbeispiel, was die Verschleuderung verfehlter Wirtschaftspolitik bringt und verlangt einen sofortigen Stopp der Privatisierung vom Bund, von den Länder und den Gemeinden. Die Ausverkaufspolitik löst in weiten Teilen der Bevölkerung große Ängste aus. Wenn etwa Krankenhäuser als Aktiengesellschaften geführt werden oder natürliche Ressourcen wie das Wasser an private Anleger und Finanzspekulanten ausgeliefert werden sollen, dann läuten bei vielen Menschen die Alarmglocken.
Was heute viele Menschen aufregt, ist aber nur die Spitze des Eisberges. Tatsächlich steht das gesamte öffentliche Eigentum zum Ausverkauf frei - egal, ob es sich dabei um noch vorhandene Staatsanteile an der Industrie, um Energiebetriebe, Verkehrseinrichtungen, Post, soziale Dienstleistungen oder kommunales Eigentum handelt. Setzen sich die Privatisierer weiterhin voll durch, dann bleibt nichts mehr von dem übrig, womit sich die Bevölkerung trotz mancher berechtigter Kritik identifiziert. Wo der totale Markt herrscht, bleiben soziale Interessen auf der Strecke.