Extreme Position ohne Rückhalt in Nord und Süd
Zu der laufenden Debatte um eine "Wiedervereinigung von Nord- und Südtirol" stellt SPÖ-Südtirolsprecher Erwin Niederwieser fest, dass der Nationalrat in dieser Frage zuletzt klar ausgedrückt hat, dass der Schutzmachtstatus Österreichs für die Südtiroler Autonomie in die Verfassung aufgenommen werde, dass aber ein u. a. von den Südtiroler Schützen geforderte Wiedervereinigung Nord- und Südtirols unter Berufung auf das Selbstbestimmungsrecht nicht unterstützt wird, um "nicht in einer für die meisten Leute zufrieden stellenden Situation unnötigen Streit zu schüren."
Das Wort "Selbstbestimmung" habe in den fünfziger und sechziger Jahren eine ganz andere Bedeutung gehabt, als nämlich das so genannte Gruber-Degasperi-Abkommen nichts weiter als totes Recht gewesen wäre und erst durch den Südtiroler Widerstand und durch die Bemühungen Bruno Kreiskys, der das Problem auf die Weltbühne der UNO brachte, mit Leben erfüllt worden sei. "Dass die extremen Positionen der "Arbeitsgruppe für Selbstbestimmung" heute nur noch Anliegen einer kleinen Minderheit sei, dass eine Wiedervereinigung von Nord- und Südtirol den meisten keine vorrangige Herzensangelegenheit ist, hat seinen Grund einfach darin, dass es den Südtiroler heute in vielen Bereichen besser geht denn je. Die Beschäftigungssituation ist ausgezeichnet, das Land hat eine großzügige Finanzautonomie und kann dementsprechend viel mehr selbst entscheiden als Nordtirol – und das gibt man nicht einfach auf," betont Niederwieser. "Schließlich soll man auch nicht vergessen, dass die Grenzen zwischen den beiden Ländern weitgehend abgebaut sind und in der Europaregion Tirol eigentlich mehr an Gemeinsamkeit möglich wäre, als momentan tatsächlich gelebt wird," so Niederwieser abschließend (Ende 2006-12-07)