Interview mit Gerald Oberansmayr, Werkstatt Frieden & Solidarität
Frage: Die Treibacher Industrie AG hat die Klage gegen dich zurückgezogen, deren Gesamtkosten 240.000 ausgemacht hätte. Die Treibacher AG ist letztlich auf jenen Vergleich eingestiegen, den du von Anfang an vorgeschlagen hast. Worauf führst du diesen Rückzieher zurück?
Gerald: Ich glaube, der Hauptgrund dafür war, dass die Treibacher AG gemerkt hat, dass für sie das ganze zum Bumerang wird. Denn wenn sie mit dieser horrend hohen Widerrufsklage erreichen wollten, dass über Kongo-Connection der Firma nicht mehr berichtet werden soll, so ist nun das Gegenteil eingetreten. Aufgrund der Kampagne der Werkstatt Frieden & Solidarität und der viefältigen Solidarität und Unterstützung, die ich in den letzten Monaten erfahren habe, hat diese Thematik nicht nur sehr viele Menschen, sondern sogar die parlamentarische Bühne erreicht. Ich möchte mich bei allen, die mich in dieser schwierigen Zeit unterstützt haben, ganz herzlich bedanken. Als einzelner hat man, wenn man mit einem scheinbar übermächtigen Gegner konfrontiert ist, oft nur die Wahl zwischen Unterwerfung oder Don Quijoterie. Doch gemeinsam anderen, gestützt auf breite Solidarität kann man auch einem Großkonzern die Stirn bieten.
Frage: Stein des Anstoßes war ein Zitat aus einem Urteilsspruch des Landesgerichts Korneuburg, den du in deinem Standard-Kommentar verwendet hast. Dieses Zitat ist vor und nach dir in anderen Medien publiziert worden, ohne dass diese von der Treibacher AG geklagt worden wären. Warum glaubst du, dass ausgerechnet du geklagt worden bist?
Gerald: Darüber kann ich nur spekulieren. Ich habe den Kommentar im Standard ausdrücklich als Mitarbeiter der Werkstatt Frieden & Solidarität geschrieben. Eigentümer der Treibacher Industrie AG ist ein gewisser Baron August von Finck: er kommt aus einem Familienclan, der laut Information des Internet-Lexikons Wikipedia sich durch Arisierungen bereichert hat. Der Multimilliardär August von Finck hat in den 90er Jahr jene Gruppe am rechten Rand in der BRD mit Millionenbeträgen finanziert, zu der auch auch Jörg Haider engste Kontakte unterhalten hat. Ein Schelm, wer denkt, dass bei der – vorsichtig formuliert – für August von Finck sehr lukrativen Privatisierung der Treibacher Industrie AG zu Beginn der schwarz-blauen Regierungszeit, die gemeinsamen politischen Vorlieben mit Jörg Haider eine Rolle gespielt haben. August von Finck sitzt beim größten deutschen Baukonzern, der Hochtief AG, mit den größten Rüstungskonzernen der BRD in einem Boot. Ich gestehe, dieser rechte Baron ist ein Symbol für jene unappetitliche Melange aus Rechtsaußenpolitik, Rüstungsindustrie, Privatisierungsgewinnlern und Multimilliardären, die wir zutiefst ablehnen und bekämpfen. Möglicherweise wird das umgekehrt ähnlich gesehen.
Frage: Wie wird es nun weitergehen?
Gerald: Wichtig ist es jetzt mehr denn je, dass auch in Österreich die Kongogeschäfte österreichischer Firmen durchleuchtet werden. Die UNO hat alle Mitgliedsstaaten dazu aufgerufen. Je mehr Menschen die Kampagne der Werkstatt Frieden & Solidarität nach einer parlamentarischen Untersuchung unterstützen, desto eher wird es dazu kommen. Erste positive Rückmeldungen aus National- und Bundesrat gibt ja bereits.
Frage: Gibt es aus Deiner Sicht Dinge, die dabei besonders durchleuchtet werden müssten?
Gerald: Untersucht werden müsste auf alle Fälle die Beteiligung der Treibacher AG an jener estnischen Firma, an die jahrelang und tonnenweise illegal geförderte Pyrochlor aus dem Kongo geliefert worden ist. Die Lieferungen stammten von dem selben deutschen Geschäftsmann, mit dem die Treibacher AG ein Joint-Venture zur Erforschung und Ausbeutung von Rohstoffen in Zentralafrika gegründet hatte.