Freitag, 22. September 2006, 23:07 Uhr
Beitrag von: O-PT-S
Am 29. und 30. September 2006 veranstaltet die
Gruppe "Brutal Arts Tyrol" nun zum dritten Mal das "Misanthropic Violence
Festival" im VAZ Hafen in Innsbruck, ein Event, das mit "Blackmetal", einer
Spielart des "Heavy Metal" aufwartet. Schon in den letzten zwei Jahren fiel
dieses Festival durch einige Bands auf, die der Subkultur des
nationalsozialistischen Black Metal (NSBM) nahestehen. Aufgrund des
Engagements einiger AntifaschistInnen, die auf diese Tatsache hinwiesen, kam
es im Jänner dieses Jahres sogar zur Anfrage der SPÖ an Innenministerin
Prokop bezüglich des Konzerts im österreichischen Parlament (http://www.parlinkom.gv.at/pls/portal/docs/page/PG/DE/XXII/J/J_03813/FNAMEORIG_055643.HTML).
Es gab jedoch keine weiterreichenden Konsequenzen für
die VeranstalterInnen dieses Events, das letztes Jahr weitgehend ungestört über
die Bühne ging. Der Verfassungsschutz habe "keine Handhabe für die
rechtliche Untersagung des Konzerts" gehabt, heißt es in der Antwort auf die
Anfrage
(http://www.parlinkom.gv.at/pls/portal/docs/page/PG/DE/XXII/AB/AB_03717/FNAMEORIG_058797.HTML).
Auch heuer soll eine Neuauflage des "Misanthropic
Violence Festivals" mit verschiedenen Blackmetalbands aufwarten. Dem VAZ Hafen
scheint es nach wie vor nichts auszumachen, dass rassistische und
antisemitische Musikgruppen in ihren Lokalitäten vor rechtem Publikum
auftreten, denn obwohl bereits letztes Jahr ein Protestschreiben gegen diese
Veranstaltung vorlag, das von über dreißig Organisationen unterzeichnet
wurde, unter anderem von der Österreichischen HochschülerInnenschaft,
verschiedenen Kulturinitiativen und mehreren Parteivorfeldorganisationen,
unternahm die Geschäftsleitung bis heute nichts, um diesen rechten Umtrieben
ein Ende zu bereiten.
Auch heuer finden sich im Line-up des Festivals
wieder einige Bands, die als rassistisch, antisemitisch, menschenfeindlich
oder rechtsextrem gelten.
Der Frontmann der dänischen Band ANGANTYR
antwortet beispielsweise, als er in einem Interview auf seine Zukunftsvisionen
angesprochen wird, dass jeder sehen könne, wohin sich die Welt entwickle, "mit
all den Juden – kontrollierten, multirassischen, multinationalen Firmen, die
den letzten Tropfen reines Blut aus der Welt saugen". Diese Aussage beinhaltet
die Theorie der jüdischen Weltverschwörung, wie sie auch im
Nationalsozialismus verwendet wurde, um das jüdische Feindbild zu
konstruieren.
Auf dem Cover einer CD der deutschen Band ORLOG
prangt ein Bild der Statue "Der Fahnenträger" von Josef Thorak, einem der führenden
NS – Ästhetiker. Als die Bandmitglieder in einem Interview auf Thoraks
Schaffen angesprochen werden, antworten sie:
"(…) da die Kunst vor dem Jahr '45 des letzten
Jahrhunderts aus unseren Köpfen gelöscht und ausgemerzt werden soll, wollten
wir diesen Arbeiten unseren Tribut zollen. (…)" (http://www.metalglory.de/interviews.php?nr=85).
Im musikalischen Repertoire der Band VARGSANG
finden sich Lieder wie "Blood, Honour and Pride", das sich auf zenrale Themen
der nationalsozialistischen Ideologie "Blut und Ehre" bezieht. Des weiteren
finden sich die Coverversion eines Liedes der neonazistischen Musikgruppe
STURMWEHR und ein Lied mit dem Titel "Kristallnacht", das sich offensichtlich
auf die antisemitische Pogromnacht der Nazis am 09. November 1938 bezieht.
Auch andere Bands auf diesem Festival haben Verbindungen zu rechtsextremen
Kreisen, wie beispielsweise die Band HELLSAW, die einen Tonträger auf dem
Recordlabel eines Rechtsextremen produziert hat (http://www.planetheavymetal.de/Nuke/html/article2575.html).
Auch in Hinsicht auf rechtsextreme Konsumartikel
hat das "Misanthropic Violence Festival III" einiges zu bieten. So
gibt es etwa einen Verkaufsstand des "Nordahl-Versandes", der neben
Büchern des rechtsextremen Grabert-Verlages auch ein Buch des
SS-Runen-Forschers Walter Blachetta im Programm hat. In diesem Buch bezeichnet
er das Sonnenrad, das auch im Boden des "SS-Obergruppenführersaales"
der Wewelsburg eingelassen ist, als "Zeichen der Vollendung".
Die ebenfalls vertretenen Versände "Ureuropa",
"Undercover Records" und "Black Moon Records" vertreiben
auf ihren Online-Seiten Tonträger von rechtsextremen Musikgruppen.
Vor dem Kontext der Vorfälle in Innsbruck in den
letzten Monaten, in denen es mehrere gewalttätige Angriffe von Neonazis gab,
ist dieses rechtsextrem angehauchte Festival als potentieller Treffpunkt der
neonazistischen Szene zu werten.
Vorfälle wie jener in der Nacht auf den 22. Juli,
als zehn Neonazis ein bis dato friedliches Straßenfest der alternativen
Kulturszene angriffen. Ein Besucher wurde verletzt. Nur aufgrund der Courage
und des Eingreifens einiger Anwesender konnte Schlimmeres verhindert werden.
Da es Hinweise auf eine Zusammenarbeit zwischen der
rechten Metalszene im Großraum Innsbruck und den organisierten Neonazis der
Region gibt, und obwohl die Veranstalter sich trotz der einschlägigen Bands
nach außen hin von Neonazismus und jeglicher politischer Ideologie
distanzieren, wäre das ungehinderte Stattfinden dieses Events ein weiterer
Schritt, der der rechtsextremen Szene in Tirol Nährboden bietet und als
Rekrutierungs- und Vernetzungsort für junge Szeneanhänger genutzt werden könnte.
Dies gilt es zu verhindern, und somit ist es nötig, das "Misanthropic
Violence Festival" zu unterbinden.
Mit freundlichen Grüßen,
Antifaschistische
Aktion Innsbruck
Folgende
Organisationen und Einzelpersonen unterstützen diese Presseaussendung:
Faulzahn,
Frauen aus allen Ländern, Grauzone, GR Gebi Mair (Grüne), GR Karin Blum (SPÖ),
Jugendzentrum Z6, JUSOS Tirol, KPÖ Tirol, TKI – Tiroler Kulturinitiativen /
IG Kultur Tirol, VSStÖ Innsbruck
Detailliertere Informationen zu den Bands, die
auf diesem Festival auftreten werden.
ANGANTYR
In einem Interview auf seine Zukunftvisionen
angesprochen, gibt der Frontmann der dänischen Band "Angantyr", der sich "Ynleborgaz"
nennt, zur Antwort, dass jeder sehen könne, wohin sich die Welt entwickle, "mit
all den Juden-kontrollierten multirassischen multinationalen Firmen, die den
letzten Tropfen reinen Blutes aus der Welt saugen". Man habe jetzt dagegen
aufzustehen.
In einem anderen Interview antwortet er auf die
Frage, ob Dänemark und die Regierung mit "Judeo-Christen" besetzt seien: "In
der Tat. Jeder spricht darüber wie tolerant wir sein müssen, und zur selben
Zeit werden wir von Immigranten überrannt, die sich schnell vermehren, Druck
auf unser Bildungssystem machen, uns ihre verdammten Religionen aufzwingen,
und die meiste Kriminalität verursachen."
ORLOG
Im Schriftzug der Band ORLOG findet sich eine
abgewandelte Form der "Tyr-" bzw. "Pfeil-Rune". Die Tyr-Rune wurde bereits im
Ersten Weltkrieg von diversen Jugendbünden, aber auch im Nationalsozialismus
vielfach verwendet (zB. Hitler-Jugend, SA). Auch heute noch findet man das
Symbol bei diversen rechtsextremen und neonazistischen Gruppierungen.
Thorak war neben Arno Breker einer der
erfolgreichsten und ein mit Aufträgen überhäufter Künstler des
nationalsozialistischen Deutschlands. In einem Interview auf die Gestaltung
des Tonträger-Beiheftes mit Bildern von Thorak-Werken angesprochen, zeigen
ORLOG, welches Weltbild sie vertreten: "Es sind ja, wie gesagt, monumentale
Werke, welche allein durch ihre Perfektion des Lebens den Betrachter in ihren
Bann reißen. Zumindest geht es uns so. Und da die Kunst vor dem Jahr '45 des
letzten Jahrhunderts aus unseren Köpfen gelöscht und ausgemerzt werden soll,
wollten wir diesen Arbeiten unseren Tribut zollen. Denn was Kunst ist und was
nicht, wollen wir nicht in Frage stellen, denn diese Antwort zu finden würde
Hunderte von Jahren dauern und keine definitive Lösung hervorbringen. Deshalb
darf man Künstlern nicht einfach ihren Nährboden nehmen und deren Werke im
Zuge einer anderen Politisierung vernichten. Das wäre wie, wenn man uns die
Instrumente nehmen und unsere Platten zerstören würde. Aus diesen Gründen
haben wir uns entschieden einige Arbeiten des Bildhauers Josef Thorak auf
unserem Kassettenbeiblatt zu verewigen. Es gibt natürlich noch viele weitere
bedeutende Künstler, die man hier erwähnen könnte, aber wir wollen dieses
Thema nicht weiter ausdehnen und lieber auf ein Buch verweisen. In diesem Buch
namens "Josef Thorak", vom VAWS-Verlag, kann man noch mehrere Werke dieses
Bildhauers bestaunen. Eine Biographie und zusätzliche Informationen zu Thorak
sind auch in dem Taschenbuch zu finden." (http://www.metalglory.de/interviews.php?nr=85).
Über den "VAWS-Verlag", für den ORLOG hier
Werbung machen, ist im deutschen Verfassungsschutzbericht 2001 folgendes zu
lesen: "Er vertreibt neben Büchern aus anderen Verlagen auch eigene
Publikationen, die besonders der revisionistischen Propaganda dienen.
Exemplarisch genannt seien die Bücher "Ein 'Nazi' in Argentinien" und "Dr. G.
- Meister der Propaganda" von Wilfred von Oven, einem früheren
Pressereferenten im NS-Propagandaministerium von Joseph Goebbels." (http://www.verfassungsschutz.de/download/SAVE/vsbericht_2001.pdf
)
Zusätzlich vertreibt der Verlag die Tonträger von
etlichen rechtsextremen Musikgruppen. Auf dem Tonträger "Erfüllung" findet
sich ein gleichnamiges Lied, das nach einem Gedicht des Antisemiten und
Deutschtümlers Ludwig Jahn benannt ist und wofür auch der Gedichttext übernommen
wurde (http://www.metalglory.de/interviews.php?nr=85).
Das Projekt VARGSANG ist auch unter dem Namen "Nordisches
Blut" bekannt. Frontmann "Vargsang" nennt sich hier "Von List" und bezieht
sich damit auf den österreichischen Antisemiten und Rassisten Guido von List.
Mit Liedern wie "Blood, Honour And Pride" bezieht er sich direkt auf einen
zentralen Bestandteil der nationalsozialistischen Ideologie - Blut und Ehre.
Auf dem Tonträger "Our Banners will Rise" findet sich eine Cover-Version des
Liedes "Stolze Krieger (Söhne Wotans)" der neonazistischen Musikgruppe
STURMWEHR. Auf einem T-Shirt der Gruppe ist passenderweise der Nazi-Slogan "Ewig
lebt der Toten Tatenruhm" abgedruckt (http://www.voicesfromthedarkside.de/interviews/graven.htm
und http://shop.strato.de/WebRoot/Store/Shops/61041962/Products/UCR_100/nackt_0020_018.jpg).
Auf dem Tonträger "Peststurm", den "Vargsang"
alias "Von List" 1999 produziert hat, findet sich auch ein Lied mit dem Titel "Kristallnacht",
das sich offensichtlich auf die antisemitische Pogromnacht der Nazis am 09.
November 1938 bezieht.
In Hinsicht auf die Produktion von Tonträgern
verlassen sich "Vargsang" und seine Freunde quasi ausschließlich auf
rechtsextreme und neonazistische Plattenfirmen und Labels. Der Tonträger "Rabenglanz"
der Band GORRENJE, bei der er auch aktiv ist, wurde bei den Labels "Nebelfee
Klangwerk" und "Warfront Productions" hergestellt. Ersteres Label ist im
Besitz des Neonazis Ronald Möbus, der Sänger der neonazistischen Gruppe
ABSURD ist.
Auch das zweite Label, das von dem Deutschen Jens
Schomber betrieben wird, ist dem neonazistischen Spektrum der
Black-Metal-Szene zuzuordnen. Über eine Homepage werden unzählige einschlägige
Tonträger vertrieben (http://antifainfoportal.an.ohost.de/recherche/warfront.html).
In einem Interview nennen die Mitglieder von GORRENJE Neonazibands wie
SEIGNEUR VOLAND oder SATANIC WARMASTER als Vorbilder (http://www.gorrenje.de/unnamed.html).
"Vargsang" und sein (ehemaliges) Seitenprojekt
GRAVEN stehen bei dem Label "Undercover Records" von Alexander Tiebel unter
Vertrag, das ebenfalls Unmengen von Tonträgern mit braunem Einschlag
vertreibt. Im Jahr 2004 produzierte "Vargsang" gemeinsam mit der französischen
NSBM ("National Socialist Black Metal")-Band "Armaggedon"
einen Tonträger (http://www.metal-archives.com/release.php?id=67505).
HELLSAW
"Aries" von der österreichischen Band HELLSAW
widerspricht sich in einem Interview, indem er einerseits behauptet, dass
Black Metal "nicht politisch" ist und sich andererseits als Fan von extrem
rechten Black-Metal-Bands wie CORPUS CHRISTII, FORGOTTEN
TOMB, etc. bekennt (http://www.planetheavymetal.de/Nuke/html/article2575.html).
Auch bei der Auswahl der Plattenfirma ist man
keineswegs wählerisch: Zwei Tonträger wurden bei dem rechtsextremen Label "Westwall"
produziert, ein weiterer bei dem Label "Irminsul Records", dessen Besitzer "Taaken"
in der extrem rechten Band ODAL spielt und in einem Interview mit dem österreichischen
Online-Magazin "BlackMetal.at" seine braune Gesinnung zeigt:
Interviewer: "Du hast einmal gesagt, dass die
Rassenvermischung die Vorstufe vom endgültigen Aussterben ist. Denkst du,
dass das aber nicht das Beste wäre, damit es so zu einem Neubeginn kommen
kann? Glaubst du, dass die heutige Menschheit/Gesellschaft überhaupt noch ein
Recht zu überleben hat?"
Taaken: "Da hast du sicher Recht. Aber ich
glaube, das hast du nicht richtig verstanden. Ich habe gesagt, dass somit das
Volk, die eigene Art ausstirbt und nur diese. Somit wäre man der Wurzel endgültig
beraubt. Die heutige Gesellschaft hat kein Recht auf Leben, jedenfalls 99
Prozent davon."
NARGAROTH
Die Band NARGAROTH hätte Headliner des "Misanthropic
Violence Festivals" werden sollen, sie haben jedoch glücklicherweise aufgrund
von bandinternen Differenzen abgesagt.
Der Frontmann der Band, René "Kanwulf" Wagner,
fiel durch Aussagen wie die folgenden (zu finden im Booklet der Nargaroth CD "Herbstleyd")
auf:
"Zur höheren Ehre der deutschen Soldaten der Wehrmacht
1933 – 1945. Die Negierung ihrer Leistungen sowie das Augenverschließen vor
ihrer Opferbereitschaft, gerade im letzten Kriegsjahr, ist die Schande unserer
Nation!"
Ein Ausschnitt aus dem Interview mit Kanwulf mit
dem Metalmagazin "Ablaze" aus dem Jahr 1998:
Interviewer: "Seid Ihr in irgendeiner Form religiös
(heidnisch, okkultistisch, satanisch, einer der Weltreligionen folgend)? Wie
beeinflußt bzw. macht sich dies im alltäglichen Leben bzw. in Eurer Musik
bemerkbar?"
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